Der Geochemiker Roger Revelle hatte bereits vor über einem halben Jahrhundert die ungeheure Dimension der Klimabeeinflussung durch den Menschen beschrieben, indem er von einem "gigantischen Experiment" sprach, das die Menschen mit der Erde anstellten. Der Chemie-Nobelpreisträger Paul Crutzen hat den Begriff "Anthropozän" eingeführt, um den Beginn eines neuen Erdzeitalters zu kennzeichnen, in dem der Mensch einen ähnlich großen Einfluss auf die Umwelt ausübt wie die natürlichen Kräfte.

Das Klimaproblem ist vordergründig ein Energieproblem und hängt eng mit der Verfeuerung der fossilen Brennstoffe — Kohle, Erdöl und Erdgas — zur Energiegewinnung zusammen. Dabei werden große Mengen Kohlendioxid (CO2) freigesetzt, das sich mit anderen Treibhausgasen wie Methan oder Lachgas in der Atmosphäre anreichert. Das CO2 ist hauptverantwortlich für den menschengemachten, anthropogenen Klimawandel.

Eine Begrenzung des anthropogenen Klimawandels erfordert daher ein Umdenken bei der Gestaltung der weltweiten Energiesysteme, denn ohne eine schnelle und signifikante Reduktion der CO2 Emissionen in den kommenden Jahrzehnten ist ein gefährlicher Klimawandel kaum mehr zu verhindern. Allerdings ist verlässliche und relativ günstige Energie ein wichtiger Faktor für wirtschaftliche Entwicklung und Wohlstand.

Entsprechend umfassend sind die Veränderungen, die mit einer Umgestaltung der Energiesysteme einhergehen. Auch wenn in vielen Industrie- und Schwellenländern der Anteil der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien über die letzten zehn Jahre deutlich angestiegen ist, haben diese Bemühungen bei weitem nicht ausgereicht, um den weltweiten Anstieg der CO2 Emissionen zu bremsen.

Das dem Klimawandel zugrunde liegende Problem wirft aber grundsätzlich eine Frage im Hinblick auf unsere Wachstumsphilosophie auf:  Inwieweit kann Wachstum auf der Basis von Ressourcenverbrauch auf einem begrenzten Planeten überhaupt zukunftsfähig sein? Wir benötigen daher ein neues Verständnis von Wachstum, das sich nicht nur auf die Steigerung wirtschaftlicher Größen beschränkt, sondern darüber hinaus die nachhaltige Nutzung unserer natürlichen Ressourcen beinhaltet. Die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft muss die treibende Kraft der Wirtschaft sein.

Das Festhalten an kurzfristigen Zielen zeigt sich auf vielen Ebenen, auf der Ebene der Politik, der Wirtschaft, aber auch auf der Ebene verschiedener Organisationen und Gewerkschaften und eben zuletzt auch auf der Ebene der Wähler. Kurzfristige Wachstumsziele oder besser Wachstumsversprechen werden langfristigen und vernünftigen Lösungen vorgezogen. Und dabei wird die Ressourcenbasis als Voraussetzung für den Wohlstand nachfolgender Generationen immer weiter reduziert. Anscheinend sind die weltwirtschaftlichen Zwänge zu groß, um längerfristiges Denken zu erlauben und langfristige Ziele anzugehen.

Wenn es keine Abkehr von diesem kurzfristigen Denken gibt, stehen den Menschen auf dieser Welt Krisen bisher ungeahnten Ausmaßes bevor. Der zunehmende Terrorismus wie auch die immer größer werdenden Flüchtlingsströme können als erste Anzeichen für den Mangel an Nachhaltigkeit gewertet werden. Und diese geben nur einen Vorgeschmack auf die wirtschaftlichen, sozialen und vielleicht auch militärischen Spannungen, die in einer zunehmend vom Klimawandel beeinträchtigen Welt zu erwarten sind. Wassermangel und Hitzewellen sowie daraus resultierend eine Bedrohung regionaler Ernährungssicherheit wird einhergehen mit internationalen Krisen und Konflikten. Da gleichzeitig die natürlichen Ressourcen, wie zum Beispiel marine Ökosysteme, immer weiter ausgebeutet und zerstört werden, fehlt es an natürlicher Resilienz und die Anfälligkeit für Krisen wird immer größer.

Wir leben in einer Zeit beschleunigter technologischer und gesellschaftlicher Entwicklung sowie einer zunehmenden globalen Vernetzung in Wirtschaft, Kommunikation, Politik und Kultur. Einfache Ursache-Wirkung-Prinzipien gelten nicht mehr. Ein als harmlos eingeschätztes Ereignis kann über große Entfernungen oder nach einer langen Zeit ungeahnte Schäden entfalten, die die Funktionsfähigkeit der menschlichen Gesellschaft gefährden. Ein Beispiel aus der Finanzwirtschaft ist die letzte große Finanzkrise, die, ausgelöst durch die Immobilienblase in den USA, zu einer weltweiten Rezession führte. Vorherzusehen war das nicht ohne Weiteres. Genauso wenig, wie die Wissenschaft die Folgen eines ungebremsten Klimawandels genau genug berechnen kann oder die Folgen der Überfischung und der Meeresversauerung auf die Meeresökosysteme.

Im Umgang mit diesen fundamentalen Risiken kommt dem Ziel der nachhaltigen Entwicklung sowie der Beachtung des Vorsorgeprinzips eine große Bedeutung zu. Wir müssen die Grenzen unseres Planeten erkennen und akzeptieren. Paradoxerweise funktioniert auf dieser Ebene unser Risikoempfinden anscheinend nicht: Während wir im alltäglichen Leben jedes noch so kleine Risiko an unserem Wohl zu vermeiden suchen, spielen wir mit den Ressourcen unseres Planeten, und damit dem Wohl der gesamten Menschheit, ein mehr als riskantes Spiel.