Auf dem Bahnsteig des Pariser Ostbahnhofs stehen Uniformierte mit umgeschnalltem Maschinengewehr. Polizisten führen Sprengstoffhunde durch die Schalterhalle, und in der Metro werden die Passagiere per Durchsage aufgerufen, verdächtige Gepäckstücke sofort zu melden. Seit den brutalen Terroranschlägen vor gut zwei Wochen herrscht Ausnahmezustand in Paris. Und ausgerechnet jetzt startet in Frankreichs Hauptstadt eine der größten internationalen Veranstaltungen des Jahres: die UN-Klimakonferenz.

Mehr als 130 Staats- und Regierungschefs und 40.000 Diplomaten, Umweltschützer, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler und Journalisten aus der ganzen Welt tagen von Montag an zwei Wochen lang im Ausstellungszentrum von Le Bourget. Gut 15.000 Sicherheitskräfte sollen sie vor dem Terror schützen. Autobahnen und Verkehrsknotenpunkte werden zum Auftakt der Konferenz abgeriegelt, der Metropole droht ein Verkehrschaos.

Ist das ganze Spektakel den Aufwand wert – oder wird der Pariser Gipfel am Ende floppen wie so viele andere Klimakonferenzen vor ihm? ZEIT ONLINE beantwortet die wichtigsten Fragen.

Ist der Mensch verantwortlich für den Klimawandel?

Der Klimawandel ist kaum noch zu leugnen. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird 2015 das mit Abstand heißeste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die zehn wärmsten Jahre seit Beginn von Messungen fallen allesamt in den Zeitraum nach 1997. Nie zuvor war es im Fünfjahresdurchschnitt so heiß wie von 2011 bis 2015.

Als Auslöser der Erwärmung gilt die wachsende Konzentration von Treibhausgasen in der Erdatmosphäre, etwa von Kohlendioxid oder Methan. Sie halten die Wärme zurück, die ansonsten von der Erde ins All abgestrahlt würde. Eine Hauptursache der steigenden Konzentration ist die Verbrennung fossiler Rohstoffe wie Kohle, Erdöl oder Erdgas, durch die Jahr für Jahr mehr als 30 Milliarden Tonnen CO2 freigesetzt werden.

In der Wissenschaft herrscht daher heute weitgehender Konsens, dass der Mensch für den Klimawandel verantwortlich ist.

Was ist so schlimm am Klimawandel?

Steigen die Treibhausgasemissionen weiter wie bisher, sind in den kommenden 100 Jahren bis zu fünf Grad Plus möglich. Das entspricht dem Temperaturunterschied zwischen der letzten Eiszeit und heute. Schon bei der Hälfte davon sagen Wetterforscher eine starke Häufung von Naturkatastrophen wie Dürren, Starkregen, starken Stürmen oder Hochwasser voraus. Korallenriffe weltweit würden absterben, Gletscher und große Eisfelder an den Polen tauen, der steigende Meeresspiegel könnte Küstenregionen und einige Inselstaaten wie die Malediven unbewohnbar machen. Millionen Menschen müssten womöglich ihre Heimat verlassen. Zudem könnte es neue Kriege geben, etwa um knappes Trinkwasser.

Was soll der Pariser Gipfel bringen?

Erklärtes Ziel der UN und vieler Teilnehmer der 21. Weltklimakonferenz (COP21) ist ein internationales Abkommen, in dem sich Staaten weltweit verpflichten, ihre Emissionen von 2020 an einzudämmen. Es soll das Kyoto-Protokoll von 1997 ablösen, das nur wenige Nationen dazu gebracht hat, ihre Emissionen zu senken. Weltweit ist der CO2-Ausstoß seither sogar um mehr als die Hälfte gestiegen. Denn nach Kyoto scheiterten viele Klimakonferenzen an der Uneinigkeit zwischen Industrie- und Schwellenländern.

Warum sollte es diesmal anders sein?

Schon der Konferenzauftakt zeigt, wie ernst die Mächtigsten der Welt diesen Gipfel nehmen. Für Montag haben sich mehr als 130 Staats- und Regierungschefs angekündigt, unter ihnen US-Präsident Barack Obama, sein chinesischer Amtskollege Xi Jinping, Russlands Präsident Wladimir Putin, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Gastgeber François Hollande.

Vor allem drei Gründe sprechen dafür, dass nun eine Einigung zustande kommt: Erstens wollen die beiden größten Treibhausgasverursacher USA und China ein Abkommen. Zweitens werden die erneuerbaren Energien immer wettbewerbsfähiger. Drittens versprechen die Industrienationen den Schwellenländern bis zu 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr für den Kampf gegen die Erwärmung und die Anpassung an den Klimawandel. Das soll Zerwürfnisse zwischen Arm und Reich kitten.

Und fast alle Staaten zeigen guten Willen. Bis Samstagabend haben 154 Nationen sowie die EU mit ihren 28 Mitgliedsstaaten freiwillige nationale Klimaschutzpläne für den Gipfel beim UN-Klimasekretariat eingereicht. Diese sollen das Herzstück des großen Abkommens werden.