Sehr geehrte Bürger Deutschlands, sehr geehrte ZEIT-ONLINE-Leser,

diese Woche sind die Augen der Welt auf die Staatschefs und Regierungsvertreter gerichtet, die auf der UN-Konferenz in Paris (COP 21) ein gemeinsames Klimaabkommen verhandeln. Auf dem Spiel steht nichts weniger als die Grundlage des menschlichen Lebens auf unserem Planeten. Die Erde ist unser gemeinsames Haus. Über sie sind wir alle miteinander verbunden: unsere Häuser, Viertel und Gemeinden sowie Städte, Länder und Kontinente. Wir teilen uns alle denselben Planeten. Diesen Sonntag, am 29. November, können Sie Ihre Sorge für die Erde, unser gemeinsames Haus, ganz einfach demonstrieren: Nehmen Sie an einem der über 2.000 Global Climate Marches teil, die weltweit stattfinden.

Die christliche Sorge um unser gemeinsames Haus reicht bis zur Genesis zurück. Hier erfahren wir, dass alle Schöpfung gut ist (Genesis 1). Außerdem lernen wir, dass Gott "den Menschen aus Erde vom Ackerboden" formte und der Menschheitsfamilie die Erde als Garten schenkte, damit sie ihn "bebaue und hüte" (Genesis 2). 

Ich bin froh, dass diese Ansichten im Christentum und in anderen Religionen umfassend geteilt werden. Buddhisten, Hindus, Juden und Muslime haben Erklärungen zum Klimawandel abgegeben und verschiedene multireligiöse Kampagnen setzen sich für unsere Erde ein.

Was trägt Papst Franziskus zur Sorge für die Erde bei? Sein Pontifikat steht im Zeichen der sozialen Gerechtigkeit und des Umweltschutzes. Schon seine Namenswahl war wegweisend. Die Natur und die Menschen sind die Schöpfung Gottes. Und sie sind beide verletzlich. Papst Franziskus hat seine Lehren und seine Führungsrolle bewusst in die internationale Klimapolitik eingebracht. Die Veröffentlichung von Laudato si' wurde zeitlich so geplant, dass die Enzyklika Einfluss auf COP 21 nimmt – für ein faires und verbindliches internationales Klimaabkommen.

Damit wir gemeinsam der Botschaft des Papstes in den Hallen der Macht Gehör verschaffen, ist es wichtig, dass alle engagierten Bürger die Kernpunkte aus Laudato si' in ihr Wirken einbinden. Am 29. November werden das Hunderttausende Männer, Frauen und Kinder auf den Global Climate Marches in London, Berlin, Madrid, Amsterdam, Bogotá, Johannesburg, Dhaka, Kampala, Omaha, Rom, São Paulo, Sydney, Seoul, Ottawa, Tokio und Tausenden anderen Städten tun. Wenn sie sich versammeln und für den Klimaschutz protestieren, leben sie das von Papst Franziskus geforderte "ökologische Bürgertum".

Die Zeit drängt. Die Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre ist heute 15 Prozent höher als im Jahr 1990, als Papst Johannes Paul II erstmals über den Klimawandel sprach, und so hoch wie nie zuvor in den vergangenen drei Millionen Jahren.

Es gibt aber auch Länder, die sich bereits auf einem Kurswechsel befinden. Deutschland, Ihr eigenes Land, bewegt sich mit der Energiewende schon seit einigen Jahrzehnten in die richtige Richtung. Alles fing mit einem schlauen Gesetz an: dem Stromeinspeisungsgesetz mitsamt Einspeisevergütung. Mit diesem Gesetz überreichte Deutschland der Welt ein großes Geschenk. Unternehmen aus der ganzen Welt fanden einen stabilen Markt für Wind- und Solarenergie, sodass die Erneuerbaren heute so günstig sind, dass sie auf dem gesamten Globus genutzt werden können. Und jetzt arbeitet Deutschland daran, die Energiewende bis zu ihrem logischen Ende weiterzutreiben: 100 Prozent erneuerbare Energie.