Alexander Gunkel hat gute Laune: Von der "größten Rentenanpassung seit der Jahrhundertwende" sprach der Chef der Deutschen Rentenversicherung kürzlich, als er bekannt gab, dass die Bezüge im kommenden Jahr um vier bis fünf Prozentpunkte steigen könnten. Und auch in der Ankunft der vielen Flüchtlinge sieht Gunkel eine Chance für die Rentenkasse. Wenn es gelingt, Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren, steigen die Beitragszahlungen.

Das käme der Rentenversicherung gelegen, der es zwar momentan wegen der steigenden Löhne und der niedrigen Arbeitslosigkeit gut geht, die aber auf Dauer vor einem altbekannten Problem steht: Die deutsche Bevölkerung wird immer älter. 2013 waren 61 Prozent der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 64 Jahren – das Statistische Bundesamt schätzt, dass es 2060 nur noch etwa 51 Prozent sein werden. Demnächst gehen die Babyboomer in Rente und pro Jahr werden nur etwa halb so viele Kinder geboren wie im Rekordjahr 1964. Immer weniger Junge müssen also die Renten für immer mehr Alte erwirtschaften.

Deutschland braucht mehr Kinder

Können die Flüchtlinge, die derzeit nach Deutschland kommen, diesen Prozess aufhalten? Viele von ihnen sind jung: Im ersten Halbjahr 2015 war etwas mehr als die Hälfte der Asylbewerber zwischen 18 und 34 Jahren alt, fast 30 Prozent waren minderjährig. "Viele Flüchtlinge werden eines Tages die Rente für die heutige Erwerbsgeneration bezahlen", sagte SPD-Bundestagsfraktionschef Thomas Oppermann im September der Tageszeitung Die Welt.

Doch Bevölkerungsforscher warnen vor zu viel Optimismus. "Man darf sich nicht versprechen, dass wir demografische Probleme lösen", sagt Eckart Bomsdorf, Emeritus am Institut für Ökonometrie und Statistik der Universität zu Köln. Um den steigenden Altenquotienten – das Verhältnis zwischen Menschen im Rentenalter und im erwerbsfähigen Alter – zu stabilisieren, müssten dauerhaft noch mehr Einwanderer kommen als derzeit. Die Flüchtlinge aber werden voraussichtlich eine einmalige Welle darstellen. Vom demografischen Effekt her also quasi eine neue Babyboomer-Generation ohne Babys, die um 2060 herum geballt in Rente gehen wird. "Langfristig muss man skeptisch sein, ob das die demografischen Probleme nicht verstärkt", sagt Bomsdorf. "Es sei denn, die Kinderzahl steigt deutlich." Optimismus sei eher im Hinblick auf die nächsten 20, 30 Jahre gerechtfertigt.