Der schwere deutsche Kampfpanzer kam gut an bei den potenziellen Kunden, als er in der Wüste der Vereinigten Arabischen Emirate getestet wurde. Nahezu alle Monarchen der Region hatten Interesse. Bald könnte es weitere Panzerbestellungen geben, diesmal aus Oman. Es geht um einen Milliardendeal. Und abermals scheint das Kabinett von Kanzlerin Angela Merkel keine Bedenken zu haben, den Export zu genehmigen.

Schon im Juni hatte der Bundessicherheitsrat sein Okay für die vorübergehende Ausfuhr eines Kampfpanzers Leopard 2A7 an das Land gegeben. Es ging um die neueste Version des schweren Geräts, entwickelt für Operationen im urbanen Umfeld, wie Militärs sagen, also den Einsatz in der Stadt. Der moderne Panzer bietet laut Hersteller Krauss-Maffei Wegmann einen "Rundumschutz für die Besatzung gegen Bedrohungen wie Sprengfallen, Minen oder Panzerfaustbeschuss" und eine "Schnittstelle zum Anbringen von Anbaugeräten, zum Beispiel eines Minenpflugs, Minenrollers oder Räumschildes zum Beseitigen von Minen, Sprengfallen oder Gebäudetrümmern, die Straßen unbefahrbar machen". 

Auf einer Informationslehrübung der Bundeswehr zeigten Soldaten, dass sich mit dem Räumschild auch Barrikaden wegschieben lassen, hinter denen Demonstranten in Deckung gehen.

Jahrzehntelang weigerten sich verschiedene Bundesregierungen, die Ausfuhr von Kampfpanzern an den arabischen Golf zu genehmigen. Dann beschloss Kanzlerin Merkel eine Kehrtwende. Schon vor vier Jahren wollte Saudi-Arabien die modernen Militärfahrzeuge für den Einsatz in Städten kaufen. Damals beschied das schwarz-gelbe Kabinett eine Voranfrage zu dem Deal positiv. In Voranfragen können Rüstungskonzerne lange vor einem Geschäft klären, ob ein Ausfuhrvorhaben Aussicht auf eine Genehmigung hat. 

Der Deal mit Saudi-Arabien allerdings wurde bis heute nicht abgewickelt. Vermutlich weil in Deutschland der Widerstand gegen das Geschäft zu stark wurde: Demonstranten protestierten vor dem Bundestag, im Plenarsaal kritisierte die Opposition die Rüstungsexportpolitik der Regierung. Seitdem ruht das Geschäft mit Riad.

Waffen für 1,9 Milliarden nach Katar

Weitaus weniger Widerstand gab es, als wenig später der Export von 62 Leopard 2 und 24 Panzerhaubitzen vom Typ PzH 2000 nach Katar genehmigt wurde. Das Gesamtvolumen des Auftrags beträgt 1,9 Milliarden Euro. Von dem Deal profitieren neben den Panzerbauern Krauss-Maffei Wegmann (Systemanbieter) und Rheinmetall (Glattrohrkanonen) auch zahlreiche andere deutsche Rüstungshersteller, die Ketten, Elektronik oder Spezialsitze für den Panzer fertigen.

Und nun könnte Oman weitere Panzer ordern. Unwahrscheinlich ist das nicht; der Staat entwickelt sich zu einem immer wichtigeren Kunden der deutschen Rüstungsindustrie. So genehmigte der Bundessicherheitsrat jüngst die Ausfuhr von 1.600 automatischen Gewehren, 100 Maschinenpistolen und 48 Granatmaschinenwaffen von Heckler & Koch an das Land. Der Gesamtwert liegt bei mehr als drei Millionen Euro.

Vor drei Jahren investierte Oman bereits weitaus größere Summen in neue Waffen. Es beschaffte bei dem europäischen Rüstungsunternehmen MBDA ein Raketensystem. Der Konzern produziert auch in Deutschland. Und ebenfalls 2012 entschloss sich das Sultanat, zwölf Eurofighter Typhoon anzuschaffen. Ein europäisches Gemeinschaftsprojekt baut diesen Kampfjet, Airbus fertigt dafür Teile in Bayern.

In den deutschen Rüstungsexportberichten tauchen diese Ausfuhren über europäische Partner gar nicht auf. Darin finden sich für 2012 lediglich Ausfuhren von 8,2 Millionen Euro nach Oman, im Jahr darauf genehmigte die Regierung Rüstungsexporte für 24,6 Millionen, 2014 waren es 12,6 Millionen, im ersten Halbjahr 2015 aber bereits 35,5 Millionen Euro – damit liegt das Land auf Platz 16 der größten Rüstungsempfänger aus der Bundesrepublik. Noch steht Oman damit deutlich hinter Saudi-Arabien (179 Millionen Euro), Kuwait (122) und den Vereinigten Arabischen Emiraten (47) zurück. Sollte der Verkauf der Leopard-2-Panzer realisiert werden, dürfte sich das aber bald ändern.