Terroranschläge kosten nicht viel. Emilie Oftedal, Wissenschaftlerin am FFI, dem norwegischen Forschungsinstitut des Verteidigungsministeriums, hat die Aschläge von 40 Dschihadistenzellen in Europa zwischen 1994 und 2013 ausgewertet. Ihr Ergebnis: Die Terroristen brauchten für die Planung und Durchführung der Attacken in Madrid, London oder Kopenhagen keine riesigen Summen. Rund drei Viertel der Anschläge kosteten weniger als 10.000 Dollar. Das teuerste waren Waffen und Sprengstoff.

Die hinter den Zellen stehenden Terrororganisationen wie der sogenannte Islamische Staat (IS) im Irak und Syrien brauchen dennoch Millionen: um überhaupt existieren zu können, um Stammesfürsten bei Laune zu halten, ihre Logistik, Trainingscamps und Waffen zu finanzieren.

Wer sie erfolgreich bekämpfen will, der muss an ihre Finanzquellen ran, den stetigen Geldfluss unterbinden. Auf dem jüngsten Gipfel der 20 weltweit wichtigsten Industrie- und Schwellenländern (G20) im türkischen Antalya machten die Staats- und Regierungschefs den Kampf gegen die Terrorfinanzierung zu einem zentralen Punkt. Präsident Recep Tayyip Erdoğan sorgte dafür, das Thema weit oben auf der Agenda zu platzieren.

Gründe dafür hatte er in den vergangenen Wochen reichlich: die Anschläge in Ankara Anfang Oktober, der Absturz des russischen Touristenfliegers über dem Sinai und jetzt die Attacken in Paris vom vergangenen Freitag. Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte noch am Montag, dass man die Geldflüsse der Terroristen stoppen und alle illegalen Aktivitäten soweit wie möglich einschränken müsse.

Schon seit 2001 Kampf gegen Terrorfinanzierung

Nur wirklich neu ist diese Forderung nicht. Seit den Anschlägen auf das World Trade Center am 11. September 2001 in New York will die westliche Welt den internationalen Terrornetzwerken die finanzielle Basis entziehen. Nur wenige Wochen nach dem Anschlag 2001 verabschiedeten die G7-Staaten eilig einen Aktionsplan. Ein Ergebnis: In 150 Staaten wurden Konten mit Guthaben von mehr als 100 Millionen Dollar eingefroren. Die Financial Action Task Force (FATF), eine Unterorganisation des Industrieländerclubs OECD, die sich um Geldwäsche kümmert, präsentierte zudem Richtlinien für den Kampf gegen die Terrorfinanzierung. Dazu gehört etwa, die finanzielle Unterstützung von Kämpfern unter Strafe zu stellen und Gelder zu beschlagnahmen.

Die bisherige Bilanz ist mau. Trotz all der Anstrengungen konnten Terrornetzwerke wie der IS entstehen, organisierten sich in den vergangenen Jahren in Nord- und Westafrika immer radikalere Netzwerke wie Ansar Bait al Maqdis auf dem Sinai in Ägypten oder Boko Haram in Nigeria. Das Grundproblem: "Der Terrorismus ist transnational, und Finanzströme sind es auch", sagt Tom Keatinge, Direktor des Centre for Financial Crime and Security Studies am Royal United Services Institute in London. "Aber gegen Terrorfinanzierung wird auf internationaler Ebene nur oberflächlich etwas getan."