Eine der seltenen Aufnahmen von Charles Koch, dem älteren der zwei Koch-Brüder © Patrick T. Fallon for The Washington Post/Getty Images

Es ist genau ein Jahr her, da schienen die Republikaner kaum zu stoppen. Bei den Kongresswahlen 2014 bauten sie ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus aus, holten zusätzlich die Mehrheit im Senat und obendrein die Gouverneursposten in 31 von 50 Bundesstaaten. Es war ein historischer Sieg. Um ihn vollständig zu machen, fehlte nur noch ein Republikaner im Weißen Haus. 

Doch dass nun die Konservativen das Rennen machen, ist inzwischen alles andere als garantiert. Schuld sind mehr als ein Dutzend republikanische Präsidentschaftskandidaten, die in den Vorwahlen für 2016 rangeln und deren Debatten zum Reality-TV-Spektakel geworden sind. Damit nicht genug, ist in Washington ein bitterer Zwist zwischen dem Tea-Party-Flügel und dem Partei-Establishment ausgebrochen. Der gipfelte kürzlich darin, dass John Boehner, bekannt als strammer Konservativer, von den noch weit konservativeren Anhängern der Tea Party aus dem Amt des Mehrheitsführers gedrängt wurde. Um seine Nachfolge entbrannte ein Machtkampf, der selbst für Washingtoner Verhältnisse ungewöhnlich harsch war.

Selbstauflösung der Republikaner

Über die akute Selbstauflösung der Partei beklagen sich nun ausgerechnet David und Charles Koch. Die Koch-Brüder werden mit jeweils rund 41 Milliarden Dollar Vermögen auf dem fünften Platz der Forbes-Liste der 400 reichsten Amerikaner geführt. "Es geht nur noch um Persönlichkeitskult, nach dem Motto: Deine Mutter hat faule Eier gegessen", klagte Charles Koch kürzlich gegenüber Reportern des Wall Street Journal. In der TV-Sendung Morning Joe, wo der 80-Jährige erstmals mit seinem Bruder David, 75, auftrat, erklärte er, er sei "seit geraumer Zeit enttäuscht" von der republikanischen Partei.

Ultrakonservative Ziele

Dabei waren es die Koch-Brüder, die den Tea-Party-Anhängern geholfen hatten, den Marsch durch die Institutionen anzutreten. Der Name der Erben des internationalen Öl- und Chemieimperiums Koch Industries ist zum Synonym für politische Einflussnahme durch Konzerne und Milliardäre geworden. Ihre politischen Ziele – ein radikal libertäres Amerika, weitgehend frei von staatlichem Einfluss und Regulierung – verfolgen die Brüder seit mehr als drei Jahrzehnten.

Geduldig bauten sie dafür ein Netz von Institutionen auf, die ihre Ideologie verbreiten. Dazu gehört etwa das Cato Institute, die prominenteste wirtschaftsliberale Denkfabrik der USA, die Charles Koch mitgründete. Die großzügige Unterstützung der Familie hat auch die erzkonservative Heritage Foundation genossen. In den 1980er Jahren stifteten die Kochs außerdem eine millionenschwere Starthilfe für das Mercatus Center, das nach eigenen Angaben die Brücke zwischen akademischen Ideen der freien Marktwirtschaft und die Anwendung in der Praxis schlagen soll. Obwohl kaum bekannt, ist die Einrichtung äußerst einflussreich: 14 der 23 Regulierungen, deren Abschaffung Präsident George W. Bush während seiner Amtszeit betrieb, fanden sich zuvor in Vorschlägen von Mercatus-Experten, wie das Wall Street Journal feststellte. So weitreichend sind die Beziehungen der Brüder, dass man in Washington sogar vom Kochtopus spricht.

Geld für die Tea Party

Die durchschlagendste Initiative der Kochs ist die Americans for Prosperity Foundation (AFP), die den Anführern der Tea Party tatkräftige Hilfe beim Aufbau ihrer Bewegung gewährte. David Koch leugnete zunächst, die Tea Party direkt zu finanzieren. Doch bei einer Veranstaltung der AFP erklärte er vor einigen Jahren: "Vor fünf Jahren gaben mein Bruder Charles und ich Startkapital für Americans for Prosperity und es hat meine wildesten Träume übertroffen, wie AFP zu dieser enormen Organisation angewachsen ist." Hunderttausende Amerikaner aus allen Schichten würden aufstehen und für die ökonomische Freiheit kämpfen, welche die amerikanische Gesellschaft zu einer der reichsten der Geschichte gemacht habe. Seine Rede wurde von einem Dokumentarfilmer eingefangen, der sich bei der Veranstaltung eingeschlichen hatte.