Auf dem AfD-Bundesparteitag im Januar verkaufte die Partei noch Goldbarren mit Autogrammen der damaligen Sprecher Frauke Petry (l) und Bernd Lucke. © Ingo Wagner/dpa

Angst ist immer ein schlechter Ratgeber – gerade in Geldfragen. Das zeigt eindrücklich die Geschichte des Online-Goldshops, über den die Alternative für Deutschland (AfD) Goldmünzen und Goldbarren vertreibt.

Die Instabilität des Euros ist der Gründungsmythos der AfD. Schließlich wurde die Partei zu Hochzeiten der Eurokrise gegründet. Konsequenterweise musste die Partei ihren Anhängern aber auch eine Alternative präsentieren. Und das war nach Ansicht des damaligen Parteichefs Bernd Lucke: Gold. Man wolle den interessierten Bürger die Möglichkeit geben, "zu einem angemessenen Preis Gold und Goldprodukte zu erwerben und gleichzeitig die AfD zu unterstützen", warb die Partei. Schließlich seien die negativen Auswirkungen der Euro-Rettung auf die Ersparnisse der Bürger immer deutlicher geworden. Und die Bürger würden Gold doch als "krisenbeständig" wahrnehmen. Hier der instabile Euro – dort Gold, die vermeintlich wertstabilste Geldanlage seit Menschengedenken. Das passt doch perfekt, fand die AfD.

Viele Kunden werden allerdings mit dem Goldkauf via AfD ein kräftiges Minus gemacht haben. Als das Geschäft an den Start ging, im Sommer 2014, kostete die Feinunze Gold etwa 1.300 US-Dollar. Seitdem ist der Goldkurs kontinuierlich gefallen, inzwischen notiert die Unze bei etwa 1.070 US-Dollar. Ein beeindruckendes Minus von 17 Prozent. Mit einem simplen Tagesgeldkonto – in der ach so instabilen Euro-Währung – hätten Kunden trotz niedriger Zinsen in der Regel keinen oder sicherlich weniger Verlust eingefahren.

"Die AfD in den Ruin treiben"

Für die AfD war der Goldhandel mit ihren Sympathisanten indes ein lukratives Geschäft: Zwei Millionen Euro Umsatz hat die Partei nach eigenen Angaben bisher mit dem Shop gemacht. Der Umsatz ist bislang für die AfD die einzig wichtige Kennziffer gewesen; wie viel Gewinn aus dem Goldhandel übrig blieb, ist zweitrangig. Denn der AfD geht es vor allem darum, höhere staatliche Parteienzuschüsse aus Steuergeldern zu erhalten. Diese bemessen sich nach dem Umsatz der Parteien – und nicht nach deren Gewinn.

Nun aber soll mit dem windigen Umsatztreiben Schluss sein. Die schwarz-rote Koalition will das Parteiengesetz ändern: Umsätze aus unternehmerischer Tätigkeit sollen den Zuschuss nicht mehr erhöhen. Auf die AfD könnten hohe Rückforderungen zukommen. Die Parteiführung wettert gegen die Pläne ("CDU und SPD wollen durch eine Gesetzesänderung die AfD in den Ruin treiben") und befürchtet das Schlimmste: "Wenn die AfD nicht bis zum Ende des Jahres zwei Millionen Euro Spenden einwirbt, sind wir bankrott", ließ die stellvertretende Parteivorsitzende Beatrix von Storch wissen.

Wer zurzeit die Seite des AfD-Goldshops besucht, wird übrigens inzwischen höflich dazu aufgefordert, "anstatt eines Goldkaufs" lieber zu spenden. In Euro, versteht sich.