Für viele Menschen in Deutschland lief es finanziell in diesem Jahr richtig gut. Sie haben einen einigermaßen sicheren Job und dabei auskömmlich verdient. Die Arbeitslosigkeit ging zurück, die Reallöhne stiegen erstmals seit Jahren um mehr als 2,5 Prozent. So manchen Bundesbürger plagt daher ein Luxusproblem: Wohin mit dem Geld, das man nicht ausgeben will oder kann?

Die meisten Sparer allerdings lassen ihr Barvermögen in schnell verfügbarer Form auf dem Konto liegen, also beispielsweise als Tagesgeld. Dabei zahlen die Banken kaum Zinsen dafür. Die Bundesbank erklärt dieses Verhalten mit einer "ausgeprägten Risikoaversion" der Bürger: Sie nehmen eher reale Verluste in Kauf, als für die Aussicht auf höhere Rendite ein Risiko einzugehen. Dabei sind die Prognosen für 2016 nicht schlecht.

Im kommenden Jahr wird die Europäische Zentralbank ihre lockere Geldpolitik fortsetzen. Das hat sie bereits angekündigt. Nach Einschätzung der Dekabank wird dies 2016 "der entscheidende positive Treiber für den deutschen Aktienmarkt" sein. Auch die Commerzbank geht davon aus, dass der deutsche Leitindex tendenziell steigen wird: "Im Jahresverlauf dürfte der Dax natürlich immer wieder absacken – etwa wegen Sorgen um China", heißt es zwar von den Frankfurter Bankanalysten. "Aber wir setzen darauf, dass Anleger Rückschläge wie 2015 immer wieder dazu nutzen, günstig in Aktien einzusteigen."

Welche Branchen lohnen sich?

Im ausgehenden Jahr wurde belohnt, wer sich nicht nervös machen ließ. "Es war ein turbulentes Jahr", resümiert Carsten Klude, Chefvolkswirt der Hamburger Warburg-Bank. Im internationalen Vergleich aber habe sich der deutsche Aktienindex positiv entwickelt und um "etwa zehn Prozent seit Jahresbeginn" zugelegt. Klude rechnet damit, dass sich der etwas holprige, aber gleichzeitig moderate Aufwärtstrend im neuen Jahr fortsetzt. Ausschlaggebend sei dafür, dass die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland weiterhin stabil verlaufe. Auch die Bundesregierung erwartet für 2016 ein Wachstum von knapp zwei Prozent – ähnlich wie in diesem Jahr.

Doch welche Branchen können sich für die Geldanlage lohnen? Blickt man auf das abgelaufene Jahr zurück, überrascht vor allem die Automobilindustrie mit guten Ergebnissen, trotz des Abgasskandals von Volkswagen, der auch die Börsenwerte der anderen deutschen Hersteller mit hinabzog. Die Kurse von BMW und Daimler etwa haben sich wegen der Enthüllungen bei der Wolfsburger Konkurrenz deutlich verbilligt, obwohl das Geschäft gut lief. Selbst das langsamere Wirtschaftswachstum auf dem wichtigen Markt in China scheint den deutschen Herstellern wenig zu schaden. Daimler etwa verkaufte dort bis September ein Drittel mehr Fahrzeuge als im Vorjahr. BMW überzeugt die Anleger weiterhin mit seiner Innovationsfähigkeit. Und sogar die VW-Aktie hat nach dem Absturz im September wieder um 30 Prozent zugelegt.

Eine wichtige Stütze der Konjunktur in diesem Jahr war der Konsum in Deutschland. Die gestiegene Kauflaune der Verbraucher trage den Aufschwung, sagte Bundesbankpräsident Jens Weidmann erst kürzlich. Für die Börsen heißt das: Die Hersteller von Konsumartikeln wie Kleidung, Nahrung oder Pflegeartikeln profitieren. Im Dax trug die Entwicklung dazu bei, dass der Sportartikelhersteller Adidas einen kräftigen Kurssprung zu verzeichnen hatte. Außerdem stehen 2016 die Olympischen Spiele in Brasilien und die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich an. Traditionell sind das weitere Wachstumsfaktoren für die Branche.