Angesichts der bevorstehenden grundlegenden Veränderungen von Gesellschaft und Arbeitswelt durch die digitale Revolution hat Telekom-Chef Timotheus Höttges "unkonventionelle Lösungen" zum Erhalt der Sozialsysteme gefordert. "Ein bedingungsloses Grundeinkommen kann eine Grundlage sein, um ein menschenwürdiges Leben zu führen", sagte Höttges im Interview mit der ZEIT.

Es gehe um die Frage, wie ein faires System für eine Welt von morgen geschaffen werden könnte. Der Telekom-Chef erwartet im Zuge der weiteren Digitalisierung der Arbeitswelt einen Wegfall von Arbeitsplätzen: "Wir müssen unsere Gesellschaft absichern. Deswegen die Idee des Grundeinkommens. (…) Es könnte eine Lösung sein – nicht heute, nicht morgen, aber in einer Gesellschaft, die sich durch die Digitalisierung grundlegend verändert hat."

Finanziert werden könnte das Grundeinkommen durch die Besteuerung der Gewinne großer Internetkonzerne. "Wenn Produktivität zukünftig vor allem an Maschinen und die Auswertung von Daten gekoppelt ist, könnte die Besteuerung stärker auf den darauf beruhenden Gewinnen aufbauen und weniger auf der Einkommensteuer des Einzelnen", sagte Höttges. "Die Gewinnbesteuerung ist wahrscheinlich der richtige Weg."

Eine Besteuerung von Daten erscheine ihm dagegen wenig praktikabel und die Besteuerung der Maschinen, die Produktivitätssteigerungen garantieren, würde dazu führen, dass vielleicht weniger Maschinen genutzt würden, als technisch sinnvoll wäre. Allerdings sei die Besteuerung großer Internetkonzerne heute schon ein Problem, "weil die ihre Plattformen irgendwo auf der Welt errichten".

Die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens wird seit Jahren diskutiert: Jeder Bürger erhielte dann regelmäßig einen fixen Betrag – ohne Gegenleistung. Mehr als 50.000 Menschen unterschrieben eine Onlinepetition. In der Schweiz bekam eine ähnliche Volksinitiative mehr Stimmen als jedes andere Anliegen seit 1891, kommendes Jahr wird darüber abgestimmt. Die finnische Regierung hat bereits einen Modellversuch für ein Grundeinkommen beschlossen, das aber an Erwerbstätigkeit geknüpft sein soll.