Arme Länder leiden am meisten unter Unwettern: Honduras zum Beispiel, Myanmar und Haiti. Doch die Schäden sind auch in Industriestaaten groß, und gerade Deutschland wurde in den vergangenen Jahren hart getroffen. Das geht aus dem Klima-Risiko-Index hervor, den die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch an diesem Donnerstag veröffentlicht hat.

Der Index vergleicht die Folgen von Überflutungen, schweren Stürmen und Hitzewellen in der Zeitspanne von 1995 bis 2014 für fast alle Staaten der Erde. Honduras trug in diesem Zeitraum die größten Schäden davon.

Die traurige Spitzenplatzierung sei durch außergewöhnlich zerstörerische einmalige Katastrophen bedingt, heißt es in der Germanwatch-Analyse zum Index. In Honduras habe Hurrikan Mitch 1998 schwere Schäden angerichtet, Myanmar sei 2008 schwer vom Zyklon Nargis getroffen worden, und in Haiti war es 2012 der Hurrikan Sandy.

Auf den folgenden Plätzen liegen die Philippinen, Nicaragua, Bangladesch, Vietnam, Pakistan und Thailand. Diese Länder seien in den vergangenen zwei Jahrzehnten eher durch jährlich wiederkehrende Unwetterkatastrophen getroffen worden, teilte Germanwatch mit. Ein Paradebeispiel dafür seien die Philippinen, die pro Jahr von etwa acht bis neun Taifunen getroffen würden. 

Starkregen, Überflutungen, Erdrutsche

Deutschland liegt im Risikoindex der vergangenen 20 Jahre global auf Rang 18 und ist damit der am stärksten betroffene Industriestaat, vor Portugal und Frankreich, die sich Rang 19 teilen. Gründe für die vordere Platzierung sind die Hitzewelle des Jahres 2003, die mehrere tausend Menschenleben forderte, Stürme und wiederholte Hochwasser an Elbe, Donau, Rhein und Oder. Durch solche Unwetter entstanden in Deutschland durchschnittliche Schäden von rund etwa 3,2 Milliarden Euro pro Jahr.

Berücksichtigt man nur das vergangenen Jahr, so waren Serbien, Afghanistan sowie Bosnien-Herzegowina am schwersten von Unwettern betroffen. Auf dem Balkan gab es 2014 schwere Überschwemmungen, in Afghanistan Überflutungen sowie verheerende Erdrutsche. "Starkregen, Überflutungen und Erdrutsche sind die dominierenden Schadensursachen im neuen Klima-Risiko-Index", sagt Hauptautor Sönke Kreft. "Schäden durch zunehmenden Niederschlag sind ein Risiko, auf das sich die Menschen und Staaten in einer wärmeren Atmosphäre besser einstellen müssen."

Ausgleich für die Entwicklungsländer

Germanwatch berechnet den Index auf Basis von Daten des Rückversicherers Munich Re. Er erfasst die Zahl der unwetterbedingten Toten sowie die Höhe der materiellen Unwetterschäden pro Land und setzt diese Werte dann in Beziehung zu Bevölkerungszahl und Bruttoinlandsprodukt, um die Auswirkung im Vergleich zu Größe und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit zu messen.

Allerdings können einzelne Unwetter und Klimawandel nicht automatisch auf den globalen Klimawandel zurückgeführt werden. Doch das Risiko, dass es zu extremen Wetterereignissen kommt, steigt mit der Erderwärmung.

Manche Klimarisiken gehen auch gar nicht in den Index ein, etwa der Anstieg des Meeresspiegels, das Abschmelzen von Gletschern oder die Folgen von Dürren. 

Germanwatch Organisation verband die Index-Veröffentlichung mit der Forderung an die in Paris tagende Weltklimakonferenz der UN, einen weitreichenden Klimaschutzvertrag zu schließen und unter anderem auch Pläne für einen internationalen Ausgleichsmechanismus für die durch Unwetterereignisse verursachten Schäden zu beschließen. Neun der zehn laut Klima-Risiko-Index am schwersten betroffenen Staaten seien Entwicklungsländer, betonte die Umweltorganisation.

Kurz erklärt - Die Auswirkungen des Klimawandels Seit dem Beginn der Industrialisierung ist die Erde bereits um etwa 0,8 Grad Celsius wärmer geworden. Der Temperaturanstieg gefährdet zukünftige Trinkwasserreserven und Nahrungsvorräte. Ein Überblick in der Videografik