Die Zahlen klingen groß: Eine Gruppe von Industrieländern hat am heutigen Montag auf dem Klimagipfel in Paris zugesagt, rund zehn Milliarden Dollar für den Ausbau der erneuerbaren Energien in Afrika zu geben. In den kommenden fünf Jahren sollen zusätzlich zehn Gigawatt an elektrischer Leistung installiert werden, langfristig sind 300 Gigawatt geplant. Das wäre doppelt so viel, wie den Ländern des Kontinents derzeit zur Verfügung steht.

Africa Renewable Energy Initiative heißt der Plan, zu dem Deutschland mit drei Milliarden Euro den dicksten Batzen beisteuert. Zu den Gebern gehören außerdem Frankreich, die USA, Großbritannien, Kanada, Japan, Italien, Schweden, die Niederlande sowie die EU. Das staatliche Geld soll helfen, auch private Investoren davon zu überzeugen, dass die erneuerbaren Energien in Afrika ein lohnendes Geschäft sein können. Langfristig will man dafür zudem Kapital aus schon bestehenden Töpfen zur Klimafinanzierung mobilisieren, beispielsweise aus dem Green Climate Fund.

Der Markt jedenfalls ist groß. In weiten Teilen Afrikas fehlt Energie, sieht man vom Schwellenland Südafrika ab, das sich vor allem mit Kohle versorgt. Rund 600 Millionen Menschen auf dem Kontinent sind nicht ans Stromnetz angeschlossen – das ist etwa jeder Zweite. Sie versorgen sich mit Generatoren und kochen mit Holzkohle, eine Praxis, die oft schwere gesundheitliche und Umweltschäden zur Folge hat. Um ihre Wirtschaft zu entwickeln, brauchen die Länder des Kontinents Energie; und für das Klima wird entscheidend sein, ob sie ihre neu zu schaffende Infrastruktur auf fossile oder erneuerbare Quellen aufbauen. 

Erste Projekte gibt es schon. Deutschland etwa ist im Senegal und in Madagaskar aktiv. Unter anderem wird an kleineren Wasserkraftwerken und am Ausbau von Übertragungsleitungen gearbeitet, durch die Solarkraftwerke ans Stromnetz angeschlossen werden können.

Die Africa Renewable Energy Initiative sei "enorm wichtig für den weltweiten Klimaschutz", sagt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. "Afrika hat einen großen Energiehunger. Wir müssen jetzt verhindern, dass dieser Hunger mit Kohle, Öl und Gas gestillt wird."

Wie schnell das funktioniert, wird sich noch zeigen. In Paris ist die Freude auch unter Umweltschützern dennoch groß: "Diese Initiative kann das afrikanische Energiesystem verändern", sagt Asrat Yirgu, Klimaexperte des WWF. "Afrika verfügt über reichlich erneuerbare Energien. Jetzt werden sie unsere Entwicklung antreiben."

Die Hoheit über die zu finanzierenden Projekte liegt bei den afrikanischen Regierungen. Damit sei die Initiative "exakt die Art von kollaborativer, groß angelegter Aktion, die wir brauchen, wenn wir den Weg zu einer sichereren Klimazukunft zu bauen hoffen", sagt Samantha Smith, globale Klimaexpertin beim WWF. "Und sie ist das neueste Beispiel, das zeigt: Wir können beides haben, null Kohle und null Armut."

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