Eine Windpark im österreichischen Neusiedl am See © REUTERS/Heinz-Peter Bader

Der Weltklimavertrag von Paris wird zu Recht weltweit als historischer Erfolg gefeiert. Ob der Vertrag aber nur ein historisches Ereignis markiert oder auch Geschichte machen wird, muss sich erst noch zeigen. Die Vereinbarung vom 12. Dezember 2015 ist ein Startschuss: Sie kündigt das Ende des fossilen Zeitalters an, des Zeitalters von Kohle, Öl und Gas.

Doch der Kampf gegen die verbleibende Zeit, um einen gefährlichen Klimawandel noch zu verhindern, hat erst begonnen. Damit das Paris-Abkommen keinen Fehlstart erleidet, müssen nun schnellstmöglich die beschlossenen Ziele konkretisiert und umgesetzt werden. Dafür braucht die globale Klimapolitik ambitionierte Pioniere, die das Pariser Momentum nutzen und entschlossen voranschreiten.

Der Kern des Weltklimavertrages sind die intendierten nationalen Beiträge der einzelnen Länder, ihre sogenannten INDCs. Unsere Zukunft baut darauf, dass diese implementiertwerden, dass also auf Absichten Taten folgen. Halten die Staaten ihre Versprechen nicht ein, wird es bald unmöglich sein, die Erderwärmung auch nur in der Nähe der Zwei-Grad-Grenze zu stabilisieren.

Entwicklungsländer unterstützen

Die große Herausforderung besteht also darin, die Vertragsstaaten darin zu unterstützen, ihre Versprechen wahr zu machen. Das wird selbst dann nicht einfach, wenn man allen Beteiligten ernsthafte Absichten unterstellt. Eine der wichtigsten Voraussetzungen ist, dass die in Paris gemachten Zusagen hinsichtlich der Finanzierung und des Technologietransfers eingehalten werden. Ohne angemessene Geldflüsse und die entsprechende technische Unterstützung wird das in Paris gewonnene Momentum speziell in Entwicklungsländern schnell wieder verloren gehen.

Bei alledem bleibt keine Zeit, das völkerrechtliche Inkrafttreten des Pariser Abkommens im Jahr 2020 abzuwarten. Das Momentum muss sofort genutzt werden. Die globale Klimapolitik braucht Vorreiterallianzen, die das Feld für eine Dekarbonisierung der Weltwirtschaft bereitet. Die neu formierte "Allianz der Ehrgeizigen", die sich in Paris aus EU, USA, Brasilien und vielen afrikanischen, karibischen und pazifischen Staaten gebildet hat, bietet dafür eine vielversprechende Basis.

Deutschland sollte die "Allianz der Ehrgeizigen" weiter aktiv unterstützen und antreiben. Das wiederum geht nur glaubhaft, wenn es den eigenen Kohleausstieg konsequent umsetzt. Großes Potenzial birgt der Vorschlag des französischen Präsidenten Hollande, etwa im Rahmen der Allianz einen angemessenen Kohlenstoffpreis einzuführen. Die EU könnte in diesem Zuge auch ihren Emissionshandel mit Partnern vernetzen, die bereits einen Kohlenstoffpreis eingeführt haben.  Zum Beispiel mit dem US-Bundesstaat Kalifornien oder einigen chinesischen Provinzen