Das Plenum des Klimagipfels am Donnerstagabend, vor einer langen Verhandlungsnacht © Ian Langsdon/EPA/dpa

So schnell kann sich die Stimmung auf Klimagipfeln ändern. Am Mittwoch verbreiteten in Paris noch alle Optimismus. Frankreichs Außenminister Laurent Fabius präsentierte einen neuen Vertragsentwurf, auf 29 Seiten geschrumpft und um rund 1.400 eckige Klammern leichter als das vorherige Papier. Er solle die möglichen Kompromisslinien aufzeigen, sagte Fabius, auf dem Weg zu einem "rechtlich verbindlichen, ambitionierten und ausgewogenen" Vertrag.

Doch in der Nacht zum Donnerstag traten grundsätzliche Konflikte offen zutage. Bis um fünf Uhr früh verhandelten die Delegierten; manche fanden gar keinen Schlaf. Am Donnerstagabend stritten sie immer noch über eine mögliche neue Version des Textes. Es sollte der letzte Entwurf des neuen Weltklimavertrags werden, bevor der Gipfel sich dann, so ist der Plan, in einem letzten Kraftakt auf eine finale Version einigt.

Erst um neun Uhr nachts rief Fabius die Abgeordneten des Gipfels wieder im Plenum zusammen. Es gab ein neues Verhandlungsdokument. Die größten Konflikte blieben dennoch ungelöst. 

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Der Streit entzündet sich an ganz zentralen Fragen: Welches Ziel soll sich der neue Weltklimavertrag auf lange Sicht setzen? Wie bald und in welchem Rhythmus müssen die Unterzeichnerstaaten neue Emissionsziele vorlegen? Sollen für Schwellenländer grundsätzlich die gleichen Regeln gelten wie für die wohlhabenden Industriestaaten? Wer zahlt? Donnerstagnacht sind die Knackpunkte so klar wie nie während dieses Gipfels.

Das entspricht der Tradition auf Klimakonferenzen. Während der zweiwöchigen Verhandlungen versuchen die Delegationen grundsätzlich, sich möglichst lange möglichst viele Optionen offenzuhalten. Sie taktieren, feilschen und halten hinterm Berg. Aber irgendwann wird die Zeit dafür zu knapp. Meistens passiert das am Donnerstag vor Toresschluss. Und dann geht es hart auf hart.

Es sei "kompliziert", sagte Elina Bardram, Mitglied der EU-Delegation, am Donnerstagmorgen. "Wir hoffen, dass der neue Entwurf ein paar Streitpunkte ausräumt, damit wir die Verhandlungen bis Freitag beenden können." Doch ihre Hoffnung wurde nicht erfüllt. Damit wird es sehr wahrscheinlich, dass die Unterhändler auch dieses Mal überziehen und mindestens bis Samstag verhandeln.

Lob für die Verhandlungsführung

Dabei führt Gipfelpräsident Fabius ein straffes Zeitregiment. Bisher hatte er seine Vorgaben auch gut gehalten. Für einen Erfolg wirft er seine ganze diplomatische Erfahrung in die Waagschale, und alle loben seine transparente, inklusive Verhandlungsführung: Minister, Unterhändler und Vertreter von Umweltorganisationen.

Widerstände überwindet Fabius, indem er schwierige Parteien zu Vermittlern macht. Das Kalkül dahinter: Wer auf diese Art Verantwortung für das Gelingen des Gipfels übernimmt, wird danach das Ergebnis nicht torpedieren.