Die Textilindustrie zieht weiter, die schlechten Arbeitsbedingungen auch. In Myanmar boomt seit der Öffnung des Landes die Bekleidungsindustrie, immer mehr Hersteller und Zulieferer lassen in dem südostasiatischen Land produzieren. Auch, weil nach der Katastrophe von Rana Plaza im Jahr 2013 viele Unternehmen Bangladesch verlassen haben.

Die Modemarken fürchten um ihr Image, wenn sie in Bangladesch produzieren lassen. Zudem konnten angesichts des Unglücks mit mehr als 1.100 Toten einige Sicherheitsstandards in dem Land erreicht werden. Internationale Organisationen, aber auch der deutsche Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) setzten sich für etwas fairere Bezahlung ein und sorgten dafür, dass wenigstens Mindestlöhne bezahlt werden.

Ganz anders in Myanmar, wie eine Umfrage der Hilfsorganisation Oxfam bei 22 Textilherstellern im Raum Yangon zeigt, die ZEIT ONLINE exklusiv vorliegt. Fast die Hälfte (43 Prozent) der befragten Arbeiterinnen und Arbeiter gab an, sich am Arbeitsplatz nicht sicher zu fühlen. Mehr als jeder Dritte Befragte sagte, er sei schon einmal bei der Arbeit verletzt worden.

Mehr als ein Drittel hat keinen Arbeitsvertrag, fast zwei Drittel der Befragten wussten nicht, wie lange ihr Vertrag gültig ist. Etwa ein Viertel gab an, zu Überstunden gezwungen zu werden.

Schulden für Miete, Essen und Medizin

Dabei sind die Arbeitszeiten in Myanmar bereits sehr lang. An sechs Tagen pro Woche arbeiten die Frauen und Männer normalerweise bis zu elf Stunden in den Fabriken. Durchschnittlich machen sie dabei 10,5 Überstunden pro Woche und müssen meist die ganze Familie davon ernähren.

Viele Arbeitnehmer können trotz der langen Arbeitszeiten und Überstunden kaum von ihrem Einkommen leben. Dabei hat Myanmar erst im September einen Mindestlohn von umgerechnet 88 Dollar eingeführt. 43 Prozent der Befragten mussten nach Angaben von Oxfam trotzdem Kredite aufnehmen, um für Medizin, Transport, Miete oder sogar Essen zu bezahlen. Die Hälfte des Lohnes müsse für Miete aufgewendet werden, nur bei etwa zehn Prozent bleibe am Ende des Monats von dem Gehalt etwas übrig.

G 7 wollte sich für Myanmar stark machen

Oxfam teilt aus Rücksicht auf die Befragten nicht mit, für welche Unternehmen sie Kleidung herstellen. In Myanmar produzieren aber namenhafte europäische und deutsche Unternehmen. Mit dabei laut Oxfam sind: Aldi, Tchibo, Jack Wolfskin sowie GAP, Primark und H&M. Adidas plant, in dem Land Schuhe herstellen zu lassen.

Die Hilfsorganisation fordert die Hersteller wegen der Erkenntnisse auf, ihren Mitarbeitern zu gestatten, sich zu organisieren. Zudem sollten sie ihre Angestellten gerade mit Blick auf Sicherheitsrichtlinien ausbilden. Oxfam fordert zudem von den Modemarken, langfristige Verträge mit den Herstellern zu schließen und bei Vertragsabschlüssen darauf zu achten, dass Mindestlöhne gezahlt werden können. Zudem sollten die Lieferzeiten nicht zu kurzfristig sein, um Überstunden zu vermeiden.

Auch die G-7-Staaten hatten Myanmar im Blick, als sie sich im Oktober dazu entschlossen, den Vision-Zero-Fonds aufzusetzen. Dieser soll präventiv Projekte im Arbeitsschutz in Entwicklungsländern fördern. Doch die sieben großen Wirtschaftsnationen konnten sich nur auf eine Anschubfinanzierung von gerade einmal sieben Millionen Euro einigen.