Deutsche Umweltverbände beurteilen den in Paris abgeschlossenen Klimavertrag positiv, rufen aber zu raschem Handeln auf, um dessen Ziele zu erreichen. "Paris gibt der Welt Hoffnung", sagte der Greenpeace-Klimaexperte Martin Kaiser, da das Abkommen ein klares Signal für die Abkehr von fossilen Brennstoffen sende. Der politische Geschäftsführer der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch, Christoph Bals, meinte: "Das Abkommen wird die Welt der Energie- und Klimapolitik verändern. Dass sich alle auf einen Pfad zum Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas begeben, bedeutet einen Wendepunkt in der Klimageschichte." WWF-Klimaexpertin Regine Günther begrüßte das Signal "auch an Investoren, dass die Welt sich von Kohle, Öl und Gas beschleunigt verabschieden wird".

Fundamentale Kritik kam hingegen von Hubert Weiger, dem Vorsitzenden des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland: "Die Diskrepanz zwischen dem in Paris vereinbarten Temperaturziel und der tatsächlichen Klimapolitik der Staaten ist riesig." Das Abkommen liefere keine angemessenen Antworten auf die Klimakrise. Die schwachen nationalen Klimaschutzpläne müssten wesentlich früher als erst 2019 überprüft und nachgebessert werden, um Eingang in das ab 2020 global geltende Abkommen finden zu können.

Zentrales Problem sind die derzeit festgelegten Klimaziele der einzelnen Staaten – sie reichen allenfalls, um das Ansteigen der Erdtemperatur auf drei Grad zu begrenzen. Das Abkommen schreibt nicht vor, die Klimaschutzpläne schnell zu ändern. "Wenn diese aber nicht verschärft werden, ist zumindest das 1,5-Grad-Ziel schon begraben", sagt Jan Kowalzig von der Hilfsorganisation Oxfam. Die EU solle sofort anfangen, ihr Ziel zu verbessern, von 1990 bis 2030 den Treibhausgasausstoß um 40 Prozent zu senken. "Denn jetzt wird das Ziel in nationale Gesetze umgesetzt, dann ist es erst mal fest. Die EU wird damit zum Totengräber des 1,5-Grad-Zieles."

Die Präsidentin der Entwicklungsorganisation Brot für die Welt, Cornelia Füllkrug-Weitzel, warnte vor Schlupflöchern in der Vereinbarung und Untätigkeit: "Jetzt müssen sofort die Schnürschuhe angezogen werden, um in großen Schritten den in Paris immerhin vorgezeichneten Weg zur Minderung der Treibhausgase rasch zu betreten." Sabine Minninger, Referentin für Klimapolitik bei Brot für die Welt, sagte: "Das Abkommen wird nicht die Welt retten. Dennoch ist es erfreulich, dass alle Staaten sich dieser Zukunftsaufgabe stellen wollen und auch noch die Ärmsten und Verletzlichsten mit in den Blick nehmen."

"Für die am meisten vom Klimawandel betroffenen Gemeinschaften wird das Ergebnis von Paris nicht befriedigend sein", sagte Stefan Tuschen vom kirchlichen Werk für Entwicklungszusammenarbeit Misereor. "Der Vertrag fällt stellenweise hinter unsere Erwartungen zurück, etwa beim Thema Achtung und Schutz der Menschenrechte bei allen klimabedingten Maßnahmen oder beim Thema Ernährungssicherung und Landnutzung." Entscheidend sei, welche Maßnahmen die Staaten nun unmittelbar ergreifen würden, zumal das neue Abkommen erst in vier Jahren in Kraft treten werde.

Der Papst mahnte dazu, den eingeschlagenen Weg der "tatkräftigen Solidarität" weiter zu gehen. Er forderte ein gemeinsames Engagement und einen großzügige Einsatz jedes einzelnen. Franziskus sagte, er wünsche, dass die schwächsten Völker eine besondere Aufmerksamkeit erhielten. Mit der im Juni veröffentlichten Umwelt-Enzyklika "Laudato si" hatte der Papst für mehr Umweltschutz und ein größeres Engagement gegen den Klimawandel geworben.

Warnung vor der geschlossenen Tür

"Wir haben ein Ziel, das in Einklang mit der Wissenschaft ist", lobte der Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber. "Die Klimaziele müssen jetzt schnell freiwillig erhöht werden, aber sie sind ja ohnehin freiwillig. Wenn Umweltministerin Barbara Hendricks sagt, wir wollen das 1,5-Grad-Ziel unterstützen, dann muss sofort der deutsche Klimaschutzplan nachgebessert werden. Dann muss man alles darin noch mal auf den Prüfstand stellen."

Um das Zwei-Grad-Ziel zu erfüllen, dürfen – gerechnet von 2011 an – weltweit nur noch 1.000 Gigatonnen CO2 in die Atmosphäre gelangen. "Wenn man die derzeitigen Selbstverpflichtungen der Staaten zusammenrechnet, werden bis 2030 schon 800 Gigatonnen ausgestoßen", sagte Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. "Es gibt dann nur ein winziges Fenster, um unter zwei Grad zu bleiben, und die Tür zu 1,5 Grad ist dann geschlossen." Es müsse einen schnellen Strukturwandel bei der Energieerzeugung geben und es dürften keine Kohlekraftwerke mehr gebaut werden.

Was wurde aus der Dekarbonisierung?

"Man konnte sich gestern in Paris lediglich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen", kritisierte der Kieler Ozeanforscher Mojib Latif, Vorsitzender des Deutschen Klimakonsortiums. Einige Aussagen im Abkommen ermöglichten zu viel Spielraum und enthielten zu wenig Konkretes. Zwar hätten alle Delegationen zugestimmt, aber dafür "gibt es nur Selbstverpflichtungen der einzelnen Länder". Mit diesen Zielen sei die Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius nicht zu schaffen. Latif bemängelte, dass das beim G7-Gipfel in Elmau erklärte Ziel der Dekarbonisierung der Weltwirtschaft im Klimaabkommen kaum eine Rolle spiele.

Der Fraktionschef der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, sieht immerhin ein wachsendes Bewusstsein für die Folgen des Klimawandels: "Das ist ja überhaupt einer der vielen großen Vorteile dieser Klimakonferenzen. Ich glaube, dass das für viele auch ein Fortbildungsprogramm ist."