Das Timing von Valerie Castle könnte auf den ersten Blick kaum schlechter sein. Während die Nation angesichts der jüngsten Massenschießereien in Kalifornien und Colorado noch in Schockstarre verharrt und Medien und Politiker einmal mehr über strengere Waffenkontrollen diskutieren, steckt die Amerikanerin mitten in den letzten Vorbereitungen für ihren eigenen Verkaufssender: GunTV, so der schlichte Name des Programms, soll das QVC der Waffenbranche werden.

Mit dem Sender will die Unternehmerin aus dem kalifornischen Coachella Valley gemeinsam mit ihrem Partner den ersten Homeshopping-Kanal schaffen, der ausschließlich auf Waffen spezialisiert ist. Im Januar soll der Sender mit sechs Stunden Programm starten, zwischen ein Uhr nachts und sieben Uhr am Morgen. Später sollen Kunden dann 24 Stunden am Tag, sieben Tage pro Woche ihre Wunschwaffe ordern können; einfach per kostenloser Telefonnummer oder im Internet. Moderatoren erklären die Vorzüge der Modelle, Einspieler vom Außengelände zeigen die Waffen in Aktion.

Auch Munition und Accessoires wie Jagdkleidung und Pistolenhalfter will GunTV anbieten. Das Einkaufserlebnis, heißt es, unterscheide sich nicht von dem eines personal shoppers, der Kunden in einem Modegeschäft berate. Ein Werbevideo auf der Website präsentiert voller Enthusiasmus die Fakten – und das enorme Marktpotenzial dahinter: Die USA hätten die "am besten bewaffnete zivile Bevölkerung der Welt", heißt es in dem Clip. Auf 100 Amerikaner kämen schon heute 89 Waffen. Vier von zehn Haushalten besäßen eine Feuerwaffe. Dass mehr noch besser wären, daran lassen die GunTV-Macher keinen Zweifel.

Waffenkauf nachts um drei Uhr

Kritiker der laxen Waffenkontrollen schlagen angesichts der Geschäftspläne Alarm. "Das Letzte, was wir brauchen, ist ein Shopping-Kanal für Waffen", sagt Laura Cutilletta, Juristin der Antiwaffenorganisation Law Center to Prevent Gun Violence in San Francisco. Wer sich nachts durch die Kanäle zappe, komme vielleicht erst dann auf die Idee, eine Waffe zu wollen, wenn sie derart angepriesen werde. "Der Kauf einer Waffe sollte nichts sein, was man morgens um drei vor dem Fernseher entscheidet", sagt Cutiletta.

Die Gründer des Kanals wehren sich gegen den Vorwurf, den Handel weiter anzutreiben. GunTV schaffe keine neue Nachfrage, sondern sei schlicht eine bequeme Art, die bestehende zu decken: "Wir glauben nicht, dass dies mehr Waffen in Umlauf bringen wird", sagte Valerie Castle, als langjährige Beraterin für zahlreiche Networks eine Veteranin des Homeshoppings, gegenüber dem Lokalblatt The Desert Sun.

Mit weiteren Äußerungen hält sich der Sender derzeit zurück. Der Mutterkonzern von GunTV, der sich ausgerechnet Social Responsibility Network nennt, ließ am Montag mitteilen, man sei gerade damit beschäftigt, das Geschäft aufzubauen, und habe keine Zeit für weitere Medienanfragen. Das plötzliche Interesse überrascht die Gründer offenbar selbst: Bis vor wenigen Tagen waren die Pläne unter dem Radar selbst der US-Medien geblieben.

GunTV will Aufklärung betreiben

Doch man gibt sich verantwortungsbewusst. Ein Video auf dem firmeneigenen YouTube-Kanal verspricht, das "landesweite Bedürfnis nach mehr Aufklärung und Information" zu berücksichtigen. Im Fernsehen sollen Einspielfilme die Kunden jede Stunde auf die Bedeutung von gutem Waffentraining hinweisen und den sicheren Umgang erklären. Und wer eine Waffe ordert, erhält sie nicht per Lieferdienst nach Hause. GunTV arbeitet mit dem Großhändler Sports South aus Louisiana zusammen, der die Bestellungen bearbeitet und die Ware an Vertragshändler vor Ort ausliefert. Dort wird der Kunde kontrolliert – und je nach Bundesstaat auch registriert –, bevor er die Waffe mit nach Hause nehmen kann.