VW-Chef Matthias Müller hat sich bei seinem ersten offiziellen US-Besuch für die Abgasaffäre entschuldigt und zugleich weitere Investitionen in Nordamerika angekündigt. Müller sagte in Detroit, dass der Konzern Kunden, Behörden und die Öffentlichkeit in den Vereinigten Staaten "im Stich gelassen" habe. "Unser ganzer Einsatz zielt jetzt darauf ab, die Dinge in Ordnung zu bringen", sagte er kurz vor der Detroiter Automesse.

Am Mittwoch werde Müller der Chefin der US-Umweltbehörde (EPA), Gina McCarthy, konkrete Vorschläge zur Beendigung der Abgasmanipulation unterbreiten, sagte er. "Wir glauben, dass wir ein Paket anbieten, das in Ordnung ist", sagte Müller. "Jetzt müssen wir eben schauen, ob die EPA das genauso sieht, und dann werden wir irgendwann in der nächsten Zeit ein Ergebnis bekommen."

Der Volkswagen-Chef bestätigte, dass das Problem zu hoher Abgaswerte durch einen in den vergangenen Monaten von Volkswagen neu entwickelten Katalysator gelöst werden soll. Das Teil könnte in rund 430.000 Fahrzeuge in den USA eingebaut werden, die mit der ersten Generation des Dieselmotors EA 189 unterwegs seien. Darüber hatte zuerst Bild am Sonntag berichtet. Auf die Frage, ob ein Rückkauf von 100.000 der fast 600.000 betroffenen Dieselfahrzeuge in den USA erwogen werde, sagte er: "Das ist Teil der Lösung, die wir mit Frau McCarthy besprechen wollen."

Müller bekräftigte, dass Volkswagen trotz der drohenden Milliardenklagen und des Imageschadens an seinen Investitionsplänen in den USA festhalte. Für das Werk Chattanooga im Bundesstaat Tennessee plane der Konzern Investitionen in Höhe von 900 Millionen Dollar, sagte Müller. "Die USA sind und bleiben ein Kernmarkt für den Volkswagen-Konzern."

Die Investitionen sind für die Produktion eines neuen sportlichen Geländewagens geplant, der Ende des Jahres erstmals vom Band laufen soll. VW werde so rund 2.000 neue Arbeitsplätze in den USA schaffen.

Müller weist absichtliche Täuschung zurück

Nach US-Ermittlungen hatte Volkswagen im September eingeräumt, weltweit in rund elf Millionen Fahrzeugen eine Schummelsoftware eingesetzt zu haben, die bei Emissionstests einen niedrigeren Stickoxidausstoß anzeigt als auf der Straße. Vergangenen Montag hatte das US-Justizministerium im Auftrag der EPA Klage gegen den Konzern eingereicht, dem eine Milliardenstrafe droht.

Volkswagen wird in der Klageschrift die Manipulation von Abgaswerten bei in den USA verkauften Autos der Marken VW, Audi und Porsche sowie der Verstoß gegen ein Gesetz zur Luftreinhaltung vorgeworfen. Außerdem soll das Unternehmen die US-Behörden bei der Aufklärung behindert und gezielt in die Irre geführt haben. Müller wies erneut zurück, dass Volkswagen kriminell gehandelt habe. Der Konzern habe zwar große technische Fehler gemacht, die Öffentlichkeit und die Behörden in den USA aber nicht absichtlich getäuscht.

An Spekulationen über die mögliche Strafe wollte sich Müller nicht beteiligen. "Man überbietet sich ja täglich", sagte der VW-Chef zu den unterschiedlichen Zahlen, die kursieren. "Ich bin gespannt, wann der erste über 100 Milliarden schreibt. Wir haben dazu nichts zu sagen."