Die Nachfrage nach Arbeitskräften hat Ende 2015 ein Rekordniveau erreicht. Im Dezember habe es in deutschen Betrieben und Behörden so viele freie Stellen gegeben wie selten zuvor, berichtete die Bundesagentur für Arbeit (BA) bei der Veröffentlichung ihres Stellenindex BA-X. Der Indikator kletterte um einen Punkt auf 206 Zähler. Das ist der höchste Wert seit Einführung des Stellenbarometers im Jahr 2004.

Nach BA-Angaben erweist sich derzeit vor allem die personalintensive Betreuung von Flüchtlingen als Jobmotor. So verzeichneten die Arbeitsagenturen zuletzt eine starke Nachfrage nach Wach- und Sicherheitspersonal, sozialen Fachkräften und Verwaltungsmitarbeitern. "Dieser Zuwachs dürfte vor allem mit dem hohen Bedarf an Arbeitskräften im Umfeld des Flüchtlingsmanagements zusammenhängen", teilte die Bundesagentur mit.

In erster Linie sei aber die unverändert gute wirtschaftliche Lage in Deutschland für die weiter steigende Zahl der offenen Stellen verantwortlich. Davon profitiere vor allem die Dienstleistungswirtschaft; dort würden derzeit die meisten Leute gesucht. Besonders viele freie Stellen gab es zuletzt im Handel sowie im Gesundheits- und Sozialwesen. Zudem spiele eine Rolle, dass viele Stellen mangels geeigneter Kräfte immer länger unbesetzt blieben.

Die gute Konjunktur hat im vergangenen Jahr auch insgesamt für neue Rekorde auf dem Arbeitsmarkt gesorgt: In Deutschland gab es so viele Erwerbstätige wie noch nie. Fast 43 Millionen Menschen mit Wohnsitz in der Bundesrepublik waren im Jahresdurchschnitt 2015 erwerbstätig. Das ist der höchste Stand seit der Wiedervereinigung, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Die Zahl der Arbeitslosen fiel gleichzeitig erstmals seit 1990 unter zwei Millionen.

Auch ein weiterer Trend der vergangenen Jahre habe sich 2015 fortgesetzt, erklärten die Statistiker: Die Zahl der Arbeitnehmer mit einem sozialversicherungspflichtigen Job sei gestiegen, die der geringfügig entlohnten und kurzfristig Beschäftigten sei hingegen zurückgegangen.

Neue Jobs entstanden vor allem im Dienstleistungsbereich – etwa im öffentlichen Dienst, in Erziehungs- und Gesundheitsberufen oder im Handel und Gastgewerbe. Auch im produzierenden Gewerbe wuchs die Zahl der Erwerbstätigen. Im Baugewerbe dagegen ging die Zahl erstmals seit sechs Jahren leicht zurück, ebenso in der Land- und Forstwirtschaft und der Fischerei.