Im umstrittenen belgischen Atomkraftwerk Doel bei Antwerpen hat sich der Reaktor 1 selbst abgeschaltet. Dies sei am Samstag gegen 18.00 Uhr nach einem vorgesehenen Verfahren geschehen, sagte ein Sprecher des Betreibers Electrabel. Der Vorfall habe keine  Auswirkungen auf die Sicherheit und bedeute "keine Gefahr für das Personal, die Anwohner und die Umwelt", fügte der Unternehmenssprecher hinzu.

Der Reaktor Doel 1 war erst am 30. Dezember wieder hochgefahren worden, nachdem er im Februar nach 40 Jahren am Netz abgeschaltet worden war. Das belgische Parlament beschloss im Juni, die Laufzeit von Doel 1 und 2 um zehn Jahre zu verlängern. Doel besteht aus insgesamt vier Reaktoren mit einer Gesamtkapazität von knapp vier Gigawatt.

Die Ursache für die Selbstabschaltung von Doel 1 werde nun geprüft, teilte Electrabel mit. Danach solle der Reaktor wieder angeschaltet werden. In der Nacht zum 25. Dezember war Doel 3 nach Unternehmensangaben wegen eines Wasserlecks an einem Generator im nicht-nuklearen Bereich der Anlage abgeschaltet worden.

Electrabel betreibt auch das Atomkraftwerk Tihange, das nur 70 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt liegt und seit langer Zeit in der Kritik steht. Der Reaktor 1 von Tihange war im Dezember nach einem Feuer in einem nicht-nuklearen Bereich automatisch heruntergefahren worden. Eine Woche später ging er wieder ans Netz.

Die Reaktoren Tihange 2 und Doel 3 sind seit Jahren umstritten. Im Jahr 2012 nahm Electrabel sie vom Netz, weil in den Reaktordruckbehältern feinste Materialfehler entdeckt worden waren. Von mehreren Tausend Haarrissen war die Rede. Später hieß es, es handle sich um innen liegende Mikroblasen, Wasserstoff-Flocken-Risse im Fachjargon. Nach einer Ultraschall-Untersuchung fuhren beide Reaktoren wieder an, dann gab es neue Ungereimtheiten. Im März 2014 schaltete Electrabel Tihange 2 und Doel 3 erneut ab.

Erst vor wenigen Wochen wurden die beiden Kernreaktoren wieder hochgefahren. Seither gibt es Kritik an Electrabel, vor allem im benachbarten Deutschland, und seither wird immer wieder über erneute Zwischenfälle in Doel und Tihange berichtet.