Der riesige Boom in China scheint vorerst beendet. © Johannes Eisele/AFP/Getty Images

Adidas-Chef Herbert Hainer kommt ins Schwärmen, wenn es um China geht. Im vergangenen Jahr machte der Sportartikelkonzern dort mehr als zwei Milliarden Euro Umsatz – ein neuer Rekord. Und das, obwohl der Aufschwung in China gerade an seine Grenzen stößt, das Wachstum nachlässt. Nach den USA sei China inzwischen der zweitwichtigste Absatzmarkt für Adidas. Cooles Prestige für relativ wenig Geld, das ist Hainers Rezept für China.

Doch es gibt auch das andere Bild: Volkswagen musste im vergangenen Jahr in China einen Rückgang der Neuwagenverkäufe von 3,4 Prozent hinnehmen. Dabei ist das Land der weltweit wichtigste Absatzmarkt für die Wolfsburger, jeder dritte verkaufte VW fährt in China. Seit knapp 30 Jahren laufen die Jettas und Passats in einer Kooperation mit einem chinesischen Konzern vom Band – doch der Absatz der Mittelklassewagen schwächelt. Nur das Luxussegment läuft noch einigermaßen: Knapp 60.000 Porsches verkaufte VW in China, ein Plus von 24 Prozent – so viel, wie in keinem anderen Land der Welt.

Es sind widersprüchliche Meldungen, die deutsche Unternehmen aus China melden. Klar aber ist: Chinas Wirtschaft erlebt einen heftigen Dämpfer und das hat Folgen für Deutschland. Im vergangenen Jahr wuchs Chinas Volkswirtschaft offiziell um "nur" sieben Prozent – der niedrigste Wert seit 25 Jahren. Vorbei sind die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten. Allerdings muss man beachten, dass die chinesische Wirtschaft inzwischen um einiges größer ist als noch vor Jahren. Eine niedrigere prozentuale Wachstumsrate kann also unterm Strich immer noch einen absolut größeren Zuwachs bedeuten. Und wie glaubwürdig staatliche Statistiken aus China sind, ist noch einmal eine andere Frage.

Einen Teil des Abschwungs nimmt die Regierung in Peking bewusst in Kauf. Die KP will die Exportabhängigkeit reduzieren und setzt auf Binnenkonsum. Das trifft den Exportweltmeister Deutschland und da gerade Branchen wie den Automobilsektor und den Maschinenbau. Der Verband der Maschinen- und Anlagenbauer, für den China ein entscheidender Absatzmarkt ist, rechnet für 2015 mit einem Ausfuhrrückgang von fünf Prozent auf gut 16 Milliarden Euro. Deutschlands Stahlkonzern Thyssen-Krupp, dessen Geschäft mit Aufzügen ein guter Indikator dafür ist, in welchen Ländern gerade die Wirtschaft boomt, schwärmt inzwischen lieber von den USA und Südkorea – China wird nur im Nebensatz erwähnt.

"Teilweise erleben deutsche Unternehmen massive Einbrüche im China-Geschäft", sagt Sandra Heep vom Mercator Institute for China Studies (Merics) in Berlin. Da klingt die jüngste Einschätzung des Industrielobbyverbands BDI, die "deutsche Wirtschaft weist kein hohes Risiko gegenüber China auf", mehr nach Wunsch als nach Wirklichkeit. In einem Länderreport schreibt der BDI, dass mit durchschnittlich 7,4 Prozent deutsche Dax-Konzerne doch nur einen relativ geringen Umsatz in China erwirtschaften würden. Nur: Ausgerechnet Auto- und Technologiefirmen hat der BDI nicht in diese Auswertung aufgenommen.