Der Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi © Kai Pfaffenbach/Reuters

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält an ihrem Kurs des extrem billigen Geldes unverändert fest. Der Leitzins im Euroraum bleibt auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent. Das beschloss der EZB-Rat nach Angaben der Notenbank in Frankfurt am Main. Der Strafzins für Geld, das Banken über Nacht bei der Notenbank parken, beträgt weiterhin 0,3 Prozent.

Experten hatten erwartet, dass Notenbank-Präsident Mario Draghi und seine Kollegen im EZB-Rat den Leitzins für die Geldversorgung der Geschäftsbanken auf dem Rekordtief belassen werden. Dort liegt er bereits seit September 2014.

Die EZB strebt als Idealwert für die Wirtschaft eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent an. Zuletzt lag die Teuerung aber gerade einmal bei 0,2 Prozent. Manche Volkswirte erwarten sogar, dass die Rate in den kommenden Monaten erneut unter Null sinken könnte. Dies würde den Druck auf die EZB erhöhen, ihre ultra-lockere Geldpolitik noch zu verstärken.

Um die Konjunktur und damit auch die Inflation anzuheizen, pumpen die Euro-Wächter bereits seit März 2015 mit dem Kauf von Staatsanleihen Woche um Woche Milliarden in das Bankensystem. Im Dezember verlängerten sie das Programm um sechs Monate bis März 2017, wodurch das angepeilte Volumen auf 1,5 Billionen Euro steigt.

Draghi kündigte am Nachmittag an, dass die EZB ihre Geldpolitik im März überprüfen werde. Die Inflation habe sich schwächer entwickelt als erwartet. Zudem seien die Risiken gestiegen, etwa durch die Wachstumsschwäche der Schwellenländer. Als weitere Gefahren nannte der EZB-Chef die Turbulenzen an den Finanzmärkten und geopolitische Krisen. Insgesamt hätten sich die Rahmenbedingungen in den vergangenen Wochen verändert.

Seit der vorigen Sitzung der Währungshüter Anfang Dezember ist der bereits lange Zeit auf Talfahrt befindliche Ölpreis nochmals um rund 30 Prozent abgestürzt. Dieser Effekt hält auch die Inflation in der Eurozone am Boden. Die Preise stiegen im Dezember nur um 0,2 Prozent, womit die EZB ihr Ziel von knapp zwei Prozent weiterhin deutlich verfehlt.

Geldpolitik - Kurz erklärt: Was ist der Leitzins?