Im vergangenen Jahr wurden so viele gefälschte Euro-Scheine aufgegriffen wie noch nie seit der Einführung der Gemeinschaftswährung im Jahr 2002. Rund 899.000 gefälschte Scheine zählte die Europäische Zentralbank (EZB) weltweit. Rund 95.357 davon entdeckten Banken, Handel und Polizei in Deutschland. Auch das ist der bisher höchste Stand – und im Vergleich zum Vorjahr ein Zuwachs von 51 Prozent. "Der Anstieg der Falschgeldzahlen ist bedenklich, aber geeignete Maßnahmen sind bereits getroffen worden", sagte Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele, der für das Thema Bargeld zuständig ist.

Besonders haben es Fälscher auf 20-Euro- und 50-Euro-Scheine abgesehen. Auf diese Banknoten entfielen annähernd 90 Prozent aller Blüten. Weltweit war im vergangenen Jahr jede zweite Euro-Blüte ein Zwanziger (51 Prozent), in Deutschland waren immerhin 40 Prozent der Fälschungen 20-Euro-Noten. Am stärksten setzten Geldfälscher in der Bundesrepublik auf den 50-Euro-Schein: Fast jeder zweite nachgemachte Schein war ein Fünfziger (49 Prozent).

Der Schaden, der durch die Blüten entstand, stieg von 3,3 Millionen im Jahr 2014 auf 4,4 Millionen Euro. 2004 (6,1 Millionen Euro) und 2005 (4,9 Millionen Euro) war der Schaden jedoch noch höher, weil Kriminelle damals mehr falsche Hunderter und Zweihunderter in Umlauf brachten. Weltweit richteten Kriminelle mit Euro-Scheinen 2015 gut 39 Millionen Euro Schaden an.

Mehr Sicherheit sollen die neuen Banknoten bringen, die besser gegen Fälschungen geschützt sein sollen. Seit November ist der neue 20-Euro-Schein im Umlauf – er ist der dritte in der neuen Banknotenserie nach dem Fünfer (Mai 2013) und dem Zehner (September 2014). Nach und nach sollen alle Stückelungen neu aufgelegt werden. Mit dem neuen Fünfziger wird 2017 gerechnet, einen genauen Termin gibt es aber noch nicht.

Der Zwanziger hat jetzt ein kleines Porträtfenster, das durchsichtig wird, wenn man die Banknote gegen das Licht hält. Dort ist dann die Europa zu sehen, die Namensgeberin der Banknotenserie. "Erste Fälschungen des neuen Zwanzigers sind in Spanien aufgetaucht, aber alles einfache Farbkopien", sagt Rainer Elm, Leiter des Nationalen Analysezentrums der Bundesbank. "Wir sind realistisch: Irgendwann wird einer versuchen, das Porträtfenster zu fälschen, und es auch in geringer Stückzahl einigermaßen hinkriegen."

Nur 10 bis 15 Prozent der Fälschungen fallen nach Bundesbank-Angaben an den Ladenkassen auf. Meist bleibt der Handel auf dem Schaden sitzen, wenn Verkäufer den Schwindel übersehen und der Betrug erst beim Einzahlen des Geldes bei der Bank auffällt. Für Falschgeld gibt es keinen Ersatz.

Trotz der gestiegenen Zahlen ist es relativ unwahrscheinlich, dass einem Falschgeld untergejubelt wird. Die EZB teilte mit: "Gemessen an der steigenden Zahl echter Banknoten im Umlauf – mehr als 18 Milliarden in der zweiten Jahreshälfte 2015 – ist der Anteil der Fälschungen nach wie vor sehr gering." Rein rechnerisch entfielen im vergangenen Jahr in Europa 27 falsche Banknoten auf 10.000 Einwohner, in Deutschland waren es sogar nur 12 Banknoten je 10.000 Einwohner.