Nach dem Abschluss des Atomabkommens und dem Ende der Sanktionen hat der Iran damit begonnen, die wirtschaftlichen Beziehungen zu Europa wiederzubeleben. Bei einem Staatsbesuch in Frankreich des iranischen Präsidenten Hassan Ruhani unterzeichneten Unternehmen und Offizielle beider Länder 20 Abkommen und Verträge. Allein die Luftverkehrsgesellschaft Iran Air kaufte 118 Passierflugzeuge der Firma Airbus zum Preis von 22,8 Milliarden Euro.

Ungeachtet der Geschäfte erinnerte François Hollande den Iran an seine Verpflichtungen aus dem internationalen Atomabkommen. Der Kurs müsse klar beibehalten werden, sagte Hollande nach dem Treffen mit Ruhani. "Jedes Land muss seinen Verpflichtungen nachkommen, das gilt für alle Seiten." Der französische Staatschef erwähnte zudem, dass er mit seinem iranischen Kollegen über die Menschenrechte diskutiert habe. "Wir haben über alles gesprochen", sagte Hollande.

Ruhani sagte, er wolle die positive Atmosphäre nach dem Atomabkommen für einen Neuanfang nutzen. Seinen Besuch in Paris bezeichnete er als "wichtigen ersten Schritt für den Beginn einer neuen Ära mit der EU und Frankreich". Der Iran sei überzeugt, dass dies gelingen könne. Ruhani war zuvor schon mit einer Delegation in Italien und hatte auch dort Verträge abgeschossen.

"Wir sollten alle gemeinsam und schnell und konsequent handeln", sagte Ruhani und warnte vor neuen Terroranschlägen und weiteren Flüchtlingen. Im Kampf gegen den Terrorismus haben der Iran und Frankreich aus Sicht Ruhanis eine historische Verpflichtung, die Gefahr durch die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) gemeinsam zu bekämpfen.

Uneinigkeit über die Rolle Assads

Mit Blick auf die anstehenden Syrien-Gespräche sagte Hollande, die Verhandlungen seien dringend notwendig, um humanitäre Hilfe leisten zu können und einen politischen Übergang zu schaffen. Ruhani versicherte allerdings erneut dem von Frankreich und großen Teilen der internationalen Gemeinschaft abgelehnten syrischen Machthaber Baschar al-Assad seine Unterstützung. Der Terrorismus habe seine Ursache nicht in einer Person, sondern in der IS-Miliz, sagte Ruhani.

Frankreichs Premierminister Manuel Valls hatte zuvor auf die historischen Verbindungen seines Landes zum Iran verwiesen. "Dank des Atomabkommens können wir ein neues Kapitel öffnen", sagte er. Valls betonte: "Der Iran kann auf Frankreich zählen." Dabei sei ein Klima des Vertrauens in der Region notwendig für eine neue Entwicklung.

Nach Gesprächen in Paris wurden insgesamt 20 Verträge vereinbart. Unter anderem schloss der Mineralölkonzern Total ein Abkommen über Rohöllieferungen mit der National Iranian Oil Company. Der französische Autohersteller PSA Peugeot Citroën kündigte seine Rückkehr in den Iran an. In einem Joint-Venture mit dem iranischen Hersteller Iran Khodro will er die Modelle Peugeot 208, 2008 und 301 produzieren und vermarkten. In den kommenden fünf Jahren sollen bis zu 400 Millionen Euro investiert werden.

Eisenbahngesellschaften beider Länder unterzeichneten ein Abkommen für die Zusammenarbeit bei Modernisierung und Betrieb von Bahnhöfen im Iran. Weitere Verträge betrafen die Branchen Schifffahrt, Flughäfen, Gesundheit und Landwirtschaft. Alle Vertragsabschlüsse zusammen sind etwa 30 Milliarden Euro wert.