Am Strand in Lesbos zurückgelassene Schwimmwesten von Bootsflüchtlingen © Etienne De Malglaive/Getty Images

ZEIT ONLINE: In Deutschland wird Griechenland dafür kritisiert, die EU-Außengrenzen nicht richtig zu schützen. Manche schlagen sogar einen Rauswurf aus dem Schengen-Raum vor. Was sagen Sie dazu?

Ioannis Mouzalas: Die Landgrenze wird hervorragend geschützt. Auch die griechische Marine ist exzellent ausgestattet und kann ein feindliches Schiff, das in unser Gebiet eindringt, sehr gut abwehren. Aber das gilt doch nicht für eine Nussschale mit Frauen, kleinen Kindern und vielen Flüchtlingen an Bord, die zu ertrinken drohen. Auch die Seegrenze wird hervorragend geschützt gemäß dem internationalen Seerecht, den Genfer Konventionen, EU-Recht und griechischem Recht. Und das bedeutet: Wenn eines dieser Schlauchboote mit 100 Menschen an Bord sich nähert, wird die Küstenwache diese Menschen retten.

ZEIT ONLINE: Was würde ein Ausscheiden aus dem Schengen-Raum ändern?

Mouzalas: Nichts, die Drohung ist absolut sinnlos. Politiker flüchten sich in populistische Vorwürfe, nur um die eigene Klientel zu beruhigen. Selbst wenn Griechenland aus dem Schengen-Raum ausscheidet, ändert sich solange nichts, bis die Ausreise aus der Türkei besser kontrolliert wird.

ZEIT ONLINE: Wie viele Menschen landen momentan noch auf den Inseln?

Mouzalas: Im Sommer kamen jeden Tag etwa 15.000 Menschen an. Nun sind es trotz der widrigen Wetterbedingungen durchschnittlich immer noch etwa 3.000 Menschen. Es wird so weitergehen.

ZEIT ONLINE: Man hört, dass die Zahl der Menschen aus Nordafrika zunimmt.

Mouzalas: Ja, das ist ein neues Phänomen des vergangenen Monats. Unter die Flüchtlinge mischen sich immer mehr Nordafrikaner, illegale Einwanderer aus Marokko, Algerien und Tunesien. Insgesamt machen die illegalen Einwanderer auch aus anderen Staaten momentan etwa 40 Prozent aus, noch vor drei Monaten waren es nur etwa 20 Prozent. Diese Menschen haben so gut wie keine Bleibeperspektive in Europa, trotzdem muss die EU ihre Rückführung durchsetzen, weil die betroffenen Länder dies häufig verhindern. Griechenland kann das nicht allein schaffen.

ZEIT ONLINE: Seit Monaten werfen andere EU-Staaten der griechischen Regierung vor, die Flüchtlinge auf den Inseln nicht ausreichend zu registrieren. Wie weit sind die sogenannten Hotspots, die dazu aufgebaut werden sollten?

Mouzalas: Tatsächlich gibt es eine Verzögerung. Bis Mitte Februar werden zwei der vier geplanten Hotspots auf den Inseln Lesbos, Samos, Chios und Leros vollständig funktionieren, bis Ende Februar auch die anderen zwei. Die Unterbringungsmöglichkeiten sind allerdings noch nicht in Gänze aufgebaut, dagegen funktioniert die Registrierung mit der Aufnahme von Fingerabdrücken bereits reibungslos.