Deutschland und Großbritannien unterstützen eine erneute Kandidatur von Christine Lagarde für den Vorsitz des Internationalen Währungsfonds (IWF). "Lagarde war in den schwierigen Zeiten nach der Finanzkrise eine umsichtige und erfolgreiche Krisenmanagerin, die ganz wesentlich zu dem hohen Ansehen des IWF beigetragen hat", heißt es in einer Mitteilung des deutschen Finanzministeriums. Gleichzeitig sei es ihr gelungen, die Interessen der Anteilseigner zu bündeln und die Effizienz des IWF weiter zu erhöhen.

Der britische Finanzminister George Osborne sagte, die Welt sehe sich einem "gefährlichen Cocktail von Risiken ausgesetzt". Er werde Lagarde nominieren, denn "Christine hat die Vision, die Energie und den Scharfsinn, um die Weltwirtschaft durch die kommenden Jahre zu steuern".

Lagardes fünfjährige Amtszeit endet am 5. Juli. Die frühere französische Finanzministerin war 2011 an die Spitze des IWF gewählt worden, damals setzte sie sich gegen den mexikanischen Zentralbankchef Agustín Carstens durch. Sie hat bereits Interesse an einer zweiten Amtszeit signalisiert, bisher gibt es keine Herausforderer.

Allerdings könnte ein Verfahren in Frankreich Lagardes Kandidatur gefährden. Im Dezember ordnete ein Gericht in Paris an, dass ihr wegen ihrer Rolle bei einer 400-Millionen-Euro-Zahlung an den Unternehmer Bernard Tapie ein Verfahren droht. Das Geld war dem Unterstützer des früheren Präsidenten Nicolas Sarkozy während der Amtszeit Lagardes als Finanzministerin als Schadenersatz zuerkannt worden. Damit sollten Verluste ausgeglichen werden, die Tapie 1992 beim Verkauf von Adidas-Anteilen entstanden sein sollen. Der IWF hatte Lagarde im Dezember in der Angelegenheit sein Vertrauen ausgesprochen, er wolle sich nicht in die französischen Ermittlungen einmischen. Lagarde war von 2007 bis 2011 französische Finanzministerin.

Der IWF ist der wichtigste internationale Geldgeber bei Finanz- oder Wirtschaftskrisen. Er war etwa an den Rettungsprogrammen für Griechenland und anderen Euroländer beteiligt. Immer wieder wird Kritik an den Kriterien des IWF laut, da er im Gegenzug für seine Beteiligung in der Regel harte Sparprogramme fordert.