Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht erhebliche Risiken für die Weltwirtschaft und senkt seine Konjunkturprognose. Die Organisation erwartet zwar eine Beschleunigung von 3,1 Prozent im laufenden über 3,4 Prozent im kommenden bis auf 3,6 Prozent im Jahr 2018. Die Werte für 2016 und 2017 wurden im Weltwirtschaftsbericht dabei allerdings um jeweils 0,2 Prozentpunkte gesenkt.

Deutschland ist eine Ausnahme: Hier hat der IWF seine Prognosen für dieses Jahr um 0,1 Punkte und für nächstes Jahr sogar um 0,2 Punkte aufgestockt. Der Fonds erwartet nun jeweils 1,7 Prozent Wachstum. Dies liegt etwas unterhalb anderer europäischer Länder wie Spanien und Großbritannien. Insgesamt werde das Wachstum in Europa derzeit eher vom Konsum getragen, die niedrige Inflation drücke auf die Preise bei den Exporteuren, was vor allem Deutschland belastet.

"Die Wachstumserwartungen scheinen stetig zu sinken", sagte der Chefökonom des IWF, Maury Obstfeld. Die Entwicklung in den Schwellen- und Entwicklungsländern – bisher Motor der Weltkonjunktur – lahmen, der niedrige Ölpreis und das Ende der Politik des billigen Geldes der US-Zentralbank Federal Reserve seien zusätzliche Risiken. "Die USA stehen vor Herausforderungen durch die Stärke des Dollar", sagte Obstfeld. "Das hat einen Effekt auf die Handelsbilanz." Im Bericht heißt es: "Wenn die Herausforderungen nicht erfolgreich gemeistert werden, könnte das weltweite Wachstum entgleisen."

Für China rechnet der IWF zum Beispiel mit einer Wachstumsabschwächung von 6,9 Prozent im Jahr 2015 über 6,3 Prozent 2016 auf 6,0 Prozent 2017. Das entspricht den bisherigen Erwartungen. Brasilien sagt der Fonds einen wirtschaftlichen Absturz um 3,5 Prozent im laufenden Jahr voraus und ist damit deutlich pessimistischer als bislang.

Der IWF rief Regierungen und Zentralbanken dazu auf, weiter eine lockere Geldpolitik zu verfolgen, vor allem um die lahmende Inflation in Gang zu bringen.

Der niedrige Ölpreis, der bis 2017 nach bisherigen Erkenntnissen nicht signifikant steigen werde, habe Öl exportierende Länder in ihren Wachstumsaussichten geschwächt. Die Nachfrage sei jedoch trotz der niedrigeren Kosten nicht in dem Maße gestiegen, wie das bei früheren Preissenkungen zu beobachten gewesen sei.

Arbeitslosigkeit steigt

Der Ölpreis hat nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) auch Auswirkungen auf die weltweite Beschäftigungssituation. Die Zahl der Arbeitslosen werde 2016 um 2,3 Millionen auf dann 199,4 Millionen steigen, schätzt die ILO. Im Folgejahr 2017 sei ein Zuwachs um weitere 1,1 Millionen zu erwarten. "Die deutliche konjunkturelle Abkühlung in Schwellenländern und der starke Rückgang der Rohstoffpreise haben dramatische Auswirkungen auf die Welt der Arbeit", sagte ILO-Generaldirektor Guy Ryder. Zum Vergleich: Vor Ausbruch der weltweiten Finanz- und Schuldenkrise 2007 waren lediglich rund 170 Millionen Frauen und Männer ohne Job.

Die Chancen auf eine neue Arbeit haben sich der Organisation zufolge besonders in Schwellen- und Entwicklungsländern wie Brasilien, China und den ölexportierenden Staaten eingetrübt. Dort müssten viele eine geringfügige Beschäftigung annehmen. "Dies trifft auch in steigendem Maße auf Industrieländer zu", sagte Ryder. "Trotz des Rückgangs der Arbeitslosenzahlen in einigen EU-Ländern und in den Vereinigten Staaten sind immer noch zu viele Menschen ohne Arbeit." Daher müssten dringend Maßnahmen zur Schaffung menschenwürdiger Arbeit ergriffen werden." Ansonsten besteht die Gefahr erhöhter sozialer Spannungen und Unruhen", sagte Ryder.