Der Zustrom von Flüchtlingen nach Europa wird einer Studie zufolge zu mehr Wirtschaftswachstum in den Aufnahmeländern führen. Zu diesem Ergebnis kommt der Internationale Währungsfonds (IWF), der eine entsprechende Studie veröffentlicht hat. Demnach konzentriert sich dieser positive Effekt vor allem auf die Hauptzielländer Deutschland, Österreich und Schweden, die mit einem zusätzlichen Wachstum von 0,5 bis 1,1 Prozent rechnen können. Für die gesamte Europäische Union errechneten die Experten eine Steigerung von 0,25 Prozent bis 2020.

Ob dieses Wachstum mittel- und langfristig gehalten werden kann, hängt laut IWF maßgeblich davon ab, wie gut die Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt und die jeweiligen Gesellschaften integriert werden. Die Europäer sollten deshalb Ausnahmen von ihren Stabilitäts- und Mindestlohnregeln zulassen und massiv in Integrationsmaßnahmen investieren, so der IWF.

Entscheidend sei, dass die Flüchtlinge möglichst rasch eine Arbeit aufnehmen können. Der Politik in Europa empfiehlt der IWF daher, die Hürden dafür abzubauen. "Wenn man insgesamt die Flexibilität des Arbeitsmarktes erhöhen würde, könnte das die Integration in die Arbeit erleichtern", heißt es in der Studie.

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Notfalls Stabilitätspakt aufweichen

So könnte man "gezielte und befristete" Ausnahmen vom Mindestlohn gewähren, Sprachkurse und Jobtrainings anbieten sowie Subventionen für Arbeitgeber bei der Einstellung von Flüchtlingen gewähren. "Lohnzuschüsse für private Arbeitgeber haben sich bereits häufig als effizient herausgestellt, um die Beschäftigung für Migranten zu erhöhen", schreiben die IWF-Experten.

Sollte all dies gelingen und die Flüchtlinge erfolgreich integriert werden, würden die Kosten der Flüchtlingskrise bei Weitem aufgewogen. Anderenfalls müsste auch über Abweichungen von vereinbarten Stabilitätszielen nachdenken, lautet ein weiterer IWF-Vorschlag. Der europäische Stabilitätspakt gebe das her.

Den IWF-Berechnungen nach wird Deutschland im laufenden Jahr 0,35 Prozent seiner Wirtschaftsleistung für die Flüchtlinge aufbringen. Damit liegt die Bundesrepublik innerhalb Europas im vorderen Feld, aber nicht an der Spitze. Schweden (1,0 Prozent) Dänemark (0,57 Prozent), und Finnland (0,37 Prozent) wenden einen größeren Teil ihres Bruttoinlandsproduktes auf. Ganz am Ende der Skala liegt Großbritannien.