Frage: Herr Litsch, wo sind Sie krankenversichert?

Martin Litsch: Na, bei der AOK natürlich – wie es sich für den Chef des Bundesverbands gehört.

Frage: Bei welcher AOK sind Sie denn?

Litsch: Ich habe ja bis vor Kurzem in Dortmund gearbeitet und bin daher bei der AOK Nordwest. Das geht, weil man sich bei uns sowohl am Wohnort als auch am Arbeitsplatz versichern kann.

Frage: Die AOK Nordost hier in Berlin wäre aber um 0,2 Beitragspunkte günstiger. Warum gibt es bei ein und derselben Kasse derartige Kostenunterschiede?

Litsch: Die AOKs sind eigenständige regionale Kassen. Sie stellen sich mit ihrem Angebot auf unterschiedliche Versorgungsstrukturen vor Ort ein, was sich dann bei den Preisen widerspiegelt. Nehmen Sie Berlin. Die Stadt hat einen gravierenden Strukturwandel durchlebt. Als die Einheit die Stadt geöffnet hat, gab es auf der Leistungsseite ein extremes Überangebot, das viel Geld verschlungen hat. Das ist heute anders.

Frage: Aber es gibt in Berlin doch noch immer viel mehr Kliniken als auf dem Land.

Litsch: Ja, aber durch die Fallpauschalen haben wir inzwischen überall gleiche Preise. Und es gibt mehr Kooperation und Zusammenarbeit, etwa im Vivantes-Verbund. Wenn nicht jedes Haus alles selber machen will, ist das für alle gesünder und wirtschaftlicher. Hinzu kommt: Berlin wächst und wird immer jünger. Davon profitiert auch die AOK Nordost.

Frage: Ihre Konkurrenten sagen, die AOK ist in vielen Regionen nur deshalb so günstig, weil sie von einem ungerechten Finanzausgleich profitiert …

Litsch: Das ist falsch. Wir haben eine Wettbewerbssituation, die nie so gerecht war wie heute. Die Unterschiede in der Versichertenstruktur, also bei den Einkommen und Krankheitslasten, werden nahezu komplett ausgeglichen. Es herrschen also gleiche Startbedingungen.

Frage: Zum Jahreswechsel haben manche Kassen ihre Beiträge stark erhöht. Kann das gut gehen, wenn günstigere Anbieter die gleichen und oft sogar noch bessere Leistungen anbieten?

Litsch: Die Beitragsunterschiede waren früher noch viel größer, vor 2009 lagen sie bei mehr als vier Prozentpunkten. Und die Kunden achten heute stärker auf Service und Leistung, das ist meist wichtiger als der Preis. Kassen mit einem guten Versorgungsangebot und Topservice haben auch weiterhin Chancen.

Frage: Die Versicherten können ihre Kasse wechseln, wenn sie zu teuer wird. Was passiert, wenn große systemrelevante Anbieter wie die DAK, die besonders teuer ist, ins Trudeln geraten? Immerhin ist die DAK die drittgrößte Kasse.

Litsch: Gesetzlich ist das klar geregelt: Auch Krankenkassen können insolvent werden. An der Pleite der City BKK hier in Berlin hat man aber gesehen, dass das nicht so einfach über die Bühne geht. Too big to fail ist schon ein Problem. Im AOK-System haben wir viele Erfahrungen mit Fusionen und Finanzhilfen gemacht. Wichtig ist, dass man frühzeitig gegensteuert, gerade um ältere und kranke Versicherte nicht zu beunruhigen.