Deutschlands Kohlekraftwerke stoßen jährlich rund sieben Tonnen Quecksilber aus. Das geht aus einem Gutachten des Hamburger Instituts für Ökologie und Politik im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion hervor. Demnach verursacht Deutschland mit zehn Tonnen pro Jahr neben Griechenland und Polen die höchste Emission des giftigen Schwermetalls in der EU. 70 Prozent des Ausstoßes in Deutschland gehen laut der Studie auf Kohlekraftwerke zurück.

Bei Säuglingen und Kleinkindern kann Quecksilber zu Gehirnschäden führen. Für Erwachsene kann es krebserregend und nervenschädigend sein.

Die Bundestagsfraktion der Grünen forderte, die Grenzwerte deutlich herabzusetzen. "Die USA – wahrlich kein Hort des Umweltschutzes – haben strengere Quecksilber-Grenzwerte als Deutschland: Das ist ein Armutszeugnis für die schwarz-rote Bundesregierung", teilten Fraktionsvize Oliver Krischer und der umweltpolitische Sprecher Peter Meiwald mit. Die Bundesregierung dürfe die gesundheitlichen Folgen der massiven Quecksilberemissionen nicht länger zugunsten der Kohleverstromung ignorieren.

"Wendet man die US-Grenzwerte in Deutschland an, würde kein Braunkohlekraftwerk weiter am Netz bleiben dürfen", sagte Krischer. Lediglich das stillgelegte Steinkohlekraftwerk Datteln in Nordrhein-Westfalen würde den US-Grenzwert erfüllen. 52 weitere Kohlekraftwerke würden diesen jedoch überstiegen. In Deutschland ist eine Grenzwertsenkung von 2019 an vorgesehen. Laut Welt am Sonntag liegen sie selbst dann in der EU noch um das 2,5- bis 6,7-fache höher als in den USA. 

Forscher fordern modernere Filter

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) wies die Kritik in der Welt am Sonntag zurück. Deutschland gehöre weltweit zu den wenigen Ländern, die Quecksilber-Grenzwerte hätten, sagte Hendricks. Diese würden kontinuierlich abgesenkt. "Deutschland hat sich bei der Neuregelung für niedrige EU-Grenzwerte eingesetzt, auch gegen die Vorbehalte unserer EU-Partner, die nicht alle bereit waren, die Quecksilber-Emissionen zu senken und zu überwachen", sagte Hendricks. Es seien aber weitere Minderungsmaßnahmen notwendig.

Eine solche Maßnahme wäre nach Ansicht der Autoren der Studie der Einsatz moderner Filtertechnik. Damit hätten rund 85 Prozent der Quecksilber-Emissionen großer Braun- und Steinkohlekraftwerke vermieden werden können.