Der Widerstand war ihm egal: Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat eine Ministererlaubnis zur Übernahme von 450 defizitären Tengelmann-Supermärkten durch Edeka erteilt. Er hat sie an ein paar Bedingungen geknüpft – aber sie ist da.

Dass ein Minister den Rest der Welt überstimmt, ist selten. In den vergangenen 40 Jahren gab es nur acht Fälle einer erfolgreichen Ministererlaubnis. Und Gabriel stand wirklich fast allein bei Edeka und Tengelmann. Das Bundeskartellamt hatte die Übernahme 2015 verboten. Die Monopolkommission war dagegen. Die Gewerkschaft Verdi hatte davor gewarnt. Und Konkurrent Rewe, der Tengelmann mit seinen Kaiser's-Märkten ebenfalls gern übernommen hätte, war sauer, weil sein Gegenangebot nie ernsthaft erwogen worden sei.

Letztlich argumentierten die Gegner, dass eine Ministererlaubnis den 16.000 Beschäftigten von Tengelmann schaden würde, die nach einer Übernahme durch Edeka sicher bald wegrationalisiert würden. Außerdem sei die Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel schon jetzt sehr groß.

So manche Filiale dürfte schließen

Ein Teil dieser Argumente ist scheinheilig. Die Tengelmann-Gruppe, zu der auch die Obi-Baumärkte, der Textildiscounter Kik und einige Onlinehändler gehören, schreibt mit ihren Supermärkten seit Jahren Verluste. Ob die Filialen unter neuem Eigentümer plötzlich wirtschaftlich erblühen, ist somit zweifelhaft. Schon eher wahrscheinlich ist, dass nach und nach Einige geschlossen werden – auch wenn Gabriels Auflagen genau so etwas verhindern sollen. Man darf aber auch nicht ausblenden, dass genau das wohl auch das Ergebnis des Wettbewerbs gewesen wäre. Zu diesem gehört, dass gelegentlich Unternehmen verschwinden. Kaum vorstellbar, dass Tengelmann auf ewig Verluste in Kauf genommen hätte.

Man kann Tengelmann vorwerfen, sich zu früh auf den Marktführer Edeka festgelegt und andere Alternativen nicht ausreichend beachtet zu haben. Gabriel stand nur noch vor der Wahl, entweder die Prinzipien des Wettbewerbsrechts hochzuhalten oder die Erlaubnis unter Auflagen zu erteilen. Politisch ist seine Entscheidung nachvollziehbar: So wirkt er nicht wie ein kalter Wettbewerbsfreak. Eher wie jemand, der es sich schwer macht und im Rahmen seiner Möglichkeiten für Arbeitsplätze kämpft. Was immer das langfristig bringen mag.

Was aber bedeutet das für die Kunden? Schon heute teilen sich fünf Unternehmensgruppen fast drei Viertel des Marktes: Edeka, Rewe, Lidl, Aldi und Metro. Die Konzentration nimmt nun weiter zu, wenn auch nur regional, da Tengelmann nicht bundesweit vertreten war. Höhere Preise muss das nicht unbedingt bedeuten, Konsequenzen für Verbraucher aber trotzdem. Vor wenigen Tagen veröffentlichte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) eine Studie zu den Auswirkungen der Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel. Ergebnis: Die Produktvielfalt nimmt ab, für Kunden sinkt die Auswahl. Aber ein Verbot der Übernahme durch Gabriel hätte diese Entwicklung allenfalls aufgeschoben.