Champagner auf einer Feier in Berlin © dpa/Jens Kalaene

Die Wiedereinführung der Vermögensteuer könnte dem deutschen Fiskus jedes Jahr bis zu 20 Milliarden Euro einbringen. Dies ergibt eine aktuelle Berechnung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Dadurch würde "die Ungleichheit der Einkommensverteilung leicht reduziert", erklären die Wirtschaftsforscher. Das Institut geht davon aus, dass die Kosten für die Erhebung nicht außerordentlich hoch seien und sich in etwa auf dem Niveau der Einkommen- und Unternehmensteuer bewegen würden.

Bis 1996 wurde in Deutschland eine Steuer auf hohe Vermögen erhoben. Sie wurde abgeschafft, weil das Bundesverfassungsgericht damals entschied, dass der Staat mit der Einkommen-, Vermögen- und sonstigen Steuern nicht mehr als 50 Prozent der Einnahmen der Steuerzahler abschöpfen dürfe. Der linke Flügel der SPD plädiert jedoch schon länger für eine erneute Einführung, die Parteispitze und der Vorsitzende Sigmar Gabriel aber lehnen dies vor allem wegen der verfassungsrechtliche Probleme ab. Im Jahr 2012 haben trotzdem mehrere rot-grün regierte Bundesländer ein Besteuerungskonzept vorgelegt, an dem sich die Analyse des DIW nun orientiert.

Das Forschungsinstitut stellt in seiner Untersuchung fest, dass die Einkommens- und Vermögensverteilung in vielen Ländern merklich ungleicher geworden sei, vor allem im oberen Bereich. Für Deutschland lasse sich sogar beobachten, dass "die Vermögensverteilung im internationalen Vergleich besonders konzentriert" sei. Seit Mitte der 1990er Jahre habe diese Entwicklung eingesetzt, weil damals die Spitzensätze für die Einkommen-, Unternehmen- und Kapitalertragsteuern abgesenkt und persönliche Vermögensteuern ganz abgeschafft wurden.

1 Prozent Steuer ab 1 Million Euro

Der DIW-Vorschlag sieht vor, das gesamte Sach- und Finanzvermögen zu bewerten und ab 1 Million Euro mit 1 Prozent jährlich zu besteuern. Der Steuertarif würde progressiv steigen auf 1,25 Prozent bei einem Vermögen von zehn Millionen Euro und auf 1,5 Prozent bei 20 Millionen Euro. Kleine Unternehmen sollen durch einen gesonderten Freibetrag von fünf Millionen Euro entlastet werden, denn auch Betriebsvermögen würde mit in die Bewertung einfließen. Für selbst bewohnte Immobilien jedoch soll es keinen Rabatt geben, genauso wenig für "wertvolle Luxusgüter wie Edelmetalle, Edelsteine, Münzen, Schmuckgegenstände, Kunstwerke oder kostspielige Fahrzeuge wie zum Beispiel Yachten, Flugzeuge oder Oldtimer."

Erst zu Beginn der Woche waren neue Zahlen aus dem Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung zur Vermögensverteilung diskutiert worden. Darin heißt es, dass die wohlhabendsten zehn Prozent in Deutschland über mehr als 50 Prozent des Nettovermögens verfügten. Das DIW kommt in einer eigenen Erhebung sogar zu dem Ergebnis, dass das reichste Prozent der Bevölkerung 32 Prozent des gesamten Nettovermögens besitzt.

Thomas Piketty - "Ungerechte Einkommensverteilung gefährdet die Demokratie"