ZEIT ONLINE: Herr Scarmardo, warum spielen Waffen eine solch große Rolle in den USA?

Sam Scarmardo: Weil diese Nation durch eine Revolution gegen die Briten geboren wurde. Wir haben das Recht, Waffen zu tragen und uns gegen Unterdrücker zu wehren, in unsere Verfassung geschrieben.

ZEIT ONLINE: Aber warum laufen Leute heute im Alltag mit Waffen rum?

Scarmardo: Das ist unsere Kultur. In Arizona etwa können Sie mit einer Waffe an der Hüfte oder einem Gewehr über der Schulter herumlaufen und im Supermarkt einkaufen gehen, wenn Ihnen danach ist. Und viele machen das auch. Und ich kann Ihnen sagen, es gibt wenige Überfälle hier in Arizona. Aber wenn Sie auf die andere Seite der Grenze gehen nach Kalifornien (Anm. der Red. Kalifornien hat eine der schärfsten Waffenregulierungen der USA.), dann hören Sie dort fast täglich von Überfällen.

ZEIT ONLINE: Die Waffen dienen also dem Selbstschutz? Ist das nicht Aufgabe des Staates, die Bürger zu schützen?

Scarmardo: Wenn ich sehe, was in Europa vorgeht, kriege ich echt Angst. Schauen Sie mal, was in der Neujahrsnacht in Köln und anderen Städten geschehen ist! Das würde bei uns nie passieren! Wir können uns schützen: vor Kriminellen, Terroristen und vor einem Unterdrückerstaat.

ZEIT ONLINE: Ganz schön harter Tobak, was Sie da behaupten. Von Obamas Maßnahme, den Zugang zu Waffen stärker zu kontrollieren, halten Sie wahrscheinlich nichts?

Scarmardo: Ich bin sicher, dass dies vom Obersten Gerichtshof wieder kassiert wird. Es ist gegen die Verfassung.

ZEIT ONLINE: Ist nicht die Attacke vor sechs Wochen in San Bernardino im US-Bundesstaat Kalifornien bei der Terroristen sich Waffen beschaffen konnten und 14 Menschen töteten der Beweis dafür, dass man striktere Regulierung braucht?

Scarmardo: Also zunächst mal: Wir haben hier weniger Terrorattacken als in Europa! So etwas wie den Überfall auf Charlie Hebdo würde bei uns nicht passieren. Vielleicht in Chicago, New York oder Los Angeles. In diesen Metropolen ist ja Waffenbesitz sehr reguliert. Dort ist es praktisch illegal, eine Waffe zu besitzen. Deshalb fühlen sich Menschen dort ermutigt, verrückte Dinge zu begehen.

ZEIT ONLINE: Verstehe ich Sie richtig: Weil die Täter wissen, dass in den Großstädten oder in Europa die Mehrheit der Bevölkerung keine Waffen hat, fühlen die sich ermutigt, rumzuballern?

Scarmardo: 99,9 Prozent aller Waffenbesitzer in den USA sind verantwortungsbewusst. Nicht einmal Sandy Hook (Anm. der Red.: Bei dem Massaker in der Sandy-Hook-Grundschule im Bundesstaat Connecticut im Dezember 2012 erschoss der 20-jährige Adam Lanza 20 Kinder und sechs Erwachsene) wäre durch Obamas jüngsten Vorschlag aufgehalten worden. Der Junge hat seine Mutter ermordet und dann deren Waffen geklaut. Die Teenager in Columbine haben sich ihre Waffen illegal beschafft. Und die Täter in San Bernardino haben ihre Waffen durch einen Strohmann beschafft. Es war der befreundete Nachbar, den sie jetzt verhaftet haben. Der bekommt dafür wohl lebenslänglich. Zu Recht, übrigens.