Geschossen wird damit überall auf der Welt: Das G3 zählt zu den erfolgreichsten Exportprodukten der Bundesrepublik. Seit mehr als 50 Jahren kämpfen mit dem deutschen Sturmgewehr Soldaten und Rebellen, Terroristen und Schwerkriminelle. Vor allem in Syrien und im Irak feuern verschiedene Gruppen damit: die Hisbollah aus dem Libanon, auf der Seite des syrischen Assad-Regimes kämpft. Auch islamistische Gruppen, die Saudi-Arabien nahestehen, und die Freie Syrische Armee ziehen damit ins Gefecht. Im Irak verwenden die Waffe die kurdischen Peschmerga. Sie haben 12.000 solcher Gewehre von der Bundeswehr geliefert bekommen. Doch bei den Peschmerga sind nicht alle dieser vollautomatischen Sturmgewehre geblieben.

Sie tauchten in Erbil auf. Dort hoffen Waffenhändler auf gute Geschäfte. Die Waffen sind zu kaufen, zwischen 1.450 und 1.800 Dollar fordern die Verkäufer für das Sturmgewehr. Die G3 tragen Seriennummern, die zeigen, dass sie von der deutschen Armee an die Kurden geliefert wurden. Das haben Rechercheure vom NDR und vom WDR herausgefunden. Zudem tragen die Waffen das Herstellerkürzel "HK" – die beiden Buchstaben stehen für Heckler & Koch aus Baden-Württemberg, Deutschlands bekannteste Waffenschmiede. Auf den G3 stand außerdem das Kürzel "Bw" für Bundeswehr.

"Wir haben bisher 20.000 Sturmgewehre nach Kurdistan geliefert", sagt ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. 8.000 davon seien moderne G36 gewesen, die restlichen G3. Außerdem seien 8.000 Pistolen geliefert worden. Die kurdische Autonomieregierung hat eine Endverbleibungserklärung für die Waffen abgegeben. Darin verspricht sie, dass die Gewehre und Pistolen nicht an Dritte weitergegeben werden. "Uns wurde immer wieder zugesichert, dass dem auch vonseiten der kurdischen Regionalregierung eine hohe Bedeutung beigemessen wurde", erklärt der Sprecher des Verteidigungsministeriums.

Rüstungsindustrie - Deutsche Waffenexporte steigen Laut einem Bericht von SIPRI sind die Waffenverkäufe 2014 weltweit leicht gesunken. Deutsche Rüstungsunternehmen haben jedoch mehr verdient. Knapp die Hälfte aller Waffenverkäufe geht von einem einzigen Land aus.

Mit den Gewehren sollen die Peschmerga gegen die Terroristen des "Islamischen Staats" kämpfen. Sie sollten Erbil verteidigen und jesidische Flüchtlinge beschützen. Vor allem die deutschen Sturmgewehre und Panzerabwehrraketen hätten dabei geholfen, erklärte ein kurdischer Kommandeur.

Die Bundeswehr entsandte 2014 sogar Soldaten nach Erbil. Deutsche Ausbilder trainieren dort mit den Kurden an den Sturmgewehren. Erst im November 2015 bot Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen den Franzosen an, eine stärkere Rolle bei Ausbildung und Ausrüstung der Kurden zu übernehmen, um den Kampf gegen den "Islamischen Staat" zu unterstützen. Doch die deutsch-kurdische Erfolgsgeschichte wird nun von den Waffenverkäufen überschattet. Offenbar haben einige der Kämpfer ihre deutschen Gewehre zu Geld gemacht, weil ihnen seit Monaten der Sold nicht ausgezahlt wird.

Es spreche derzeit viel dafür, dass mindestens zwei der auf den Waffenmärkten in Erbil und auch in Suleimanija entdeckten G3 aus einer deutschen Lieferung aus dem Jahre 2014 stammten, räumt das Verteidigungsministerium ein. Insgesamt sollen vier deutsche G3 offen auf dem Waffenmarkt gewesen sein. Wie viele weitere Waffen in der Region zu erwerben sind, weiß niemand.

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