Frauen warten in der Somali-Region Äthiopiens, um ihre Kanister mit Wasser zu füllen. © Tiska Negeri/Reuters

Die Bilder von damals sind im Gedächtnis geblieben: bis aufs Skelett abgemagerte Menschen, Kinder mit Hungerbäuchen und riesigen Augen, apathische Mütter mit ihren Babys im Arm, die in überfüllten Auffanglagern auf Hilfe warteten. 30 Jahre ist es her, dass in Äthiopien eine Hungersnot herrschte, ausgelöst durch Dürre und Krieg, an der Hunderttausende starben.

Seit vergangenem Frühjahr bleibt erneut der Regen aus. Wieder hängen Millionen Menschen von Nahrungsmittelhilfe ab. Schon in guten Jahren können sich ungefähr acht der knapp hundert Millionen Äthiopier nicht aus eigener Kraft ausreichend ernähren; jetzt sind den Vereinten Nationen zufolge noch einmal zehn Millionen hinzugekommen. Es ist eine angekündigte Krise: Seit März 2015 gab es in Äthiopien kaum Niederschlag, in manchen Gegenden des Landes verdorrte das Saatgut der Bauern auf den Feldern, noch bevor es keimen konnte. Die Welt wird nur langsam aufmerksam. 

Hinter der Dürre steckt das Klimaphänomen El Niño, das im vergangenen Jahr so stark ausfiel wie nie. Seit Jahrzehnten war es in Äthiopien nicht mehr so trocken; auch das benachbarte Somalia leidet unter einer schweren Trockenheit. Anderswo im Osten und Süden Afrikas schlägt das Wetter ebenfalls Kapriolen: etwa in Südafrika und Simbabwe, wo es seit zwei Jahren kaum geregnet hat, und in Kenia, Burundi und Ruanda, wo zu viel Regen die Ernten vernichtete. In Äthiopien aber scheint die Lage derzeit besonders prekär. Viele Bauern haben ihre Dörfer bereits auf der Suche nach Nahrung verlassen. 200.000 Tiere sollen verhungert und verdurstet sein.  

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Mit Bildern wie in den achtziger Jahren rechnet derzeit noch niemand. Anders als damals seien die äthiopische Regierung und die ausländischen Geber auf schlechte Ernten vorbereitet, glauben Experten. "Es gibt erprobte Schutzmechanismen", sagt beispielsweise Emma Gordon von der britischen Risikoanalysefirma Verisk Maplecroft. "Äthiopien kann diese Krise bewältigen, sofern die notwendigen finanziellen Mittel bereitgestellt werden. Die Regierung hat es in den vergangenen Jahren geschafft, die Ernährungssicherheit im Land zu verbessern."

400 Millionen für Getreideimporte

"Äthiopien hat vieles richtig gemacht", bestätigt Ralf Südhoff, Leiter des Büros des UN-Welternährungsprogramms in Berlin. Die Regierung habe soziale Hilfsprogramme eingerichtet, die im Krisenfall schnell ausgeweitet werden könnten. "Seit Jahren sinkt der Anteil der Hungernden an der Bevölkerung – wenngleich die absolute Bevölkerungszahl schnell wächst." In der akuten Dürre habe die Regierung in Addis Abeba relativ schnell die internationalen Geber alarmiert und eigene Mittel für Nahrungsmittelimporte und soziale Programme eingesetzt, sagt Südhoff. Etwa 400 Millionen Dollar hat Äthiopien für Getreideimporte bislang ausgegeben.

Tatsächlich hat Äthiopien nicht mehr viel mit dem unterentwickelten Agrarland von einst zu tun. Die Regierung hat sich China zum Vorbild genommen und industrialisiert das Land nach Plan. Sie lockt Textil-, Leder- und Nahrungsmittelfabriken ins Land und baut Straßen – für den Export, und damit die heimischen Bauern ihre Waren auch im Inland besser vermarkten können. Gemeinsam mit den internationalen Gebern, die in den vergangenen Jahren viel Geld nach Äthiopien überwiesen haben, baute man Terrassen und Bewässerungssysteme. Mit Erfolg: Offiziellen Angaben zufolge wuchs die Wirtschaft zuletzt jährlich um fast elf Prozent und die landwirtschaftliche Produktivität stieg um durchschnittlich 6,6 Prozent.

Das hilft auch manchen Subsistenzfarmern. Sie sind überall auf der Welt besonders stark von Hunger bedroht, denn sie leben fast ausschließlich vom Ertrag ihrer Felder und sind somit auch besonders stark vom Wetter abhängig. Um die Kleinbauern weltweit zu stärken, kauft das UN-Welternährungsprogramm seit einigen Jahren, soweit möglich, gezielt Getreide bei ihnen ein. In Äthiopien klappe das besonders gut, sagt Ralf Südhoff. "Es ist eins unserer erfolgreichsten Programmländer."

Auch Johannes Schoeneberger von der deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) lobt den Einsatz der Regierung für die kleinen Farmer. "Äthiopiens Bevölkerung wächst, und die Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, alle zu versorgen. Das geht nur mit den Kleinbauern", sagt er. Schoenberger leitet ein Landwirtschaftsprojekt, in dem die GIZ und die äthiopische Regierung gemeinsam versuchen, die Kleinbauern zu stärken.