Wie stehen die Deutschen zu ihrer Arbeit? Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Effizienz gelten als Erfolgsgaranten in der Arbeitwelt. Aber finden die Deutschen auch Erfüllung und Sinn in ihrer Arbeit? Sind sie zufrieden mit ihrem Gehalt? Glauben sie, dass Aufstiegschancen gerecht verteilt sind?

Für die Vermächtnis-Studie von ZEIT, infas und WZB wurden mehr als 3.000 Menschen aller Altersgruppen, Einkommensklassen und Herkünfte befragt. Um sich ein Bild von unserem Verhältnis zur Arbeit zu machen, wurden auch außergewöhnliche Methoden eingesetzt. So wurden die Teilnehmer gebeten, in einem stilisierten Fischschwarm die Rolle zu identifizieren, die sie ihrer Meinung nach im Berufsleben einnehmen. Mit überraschenden Ergebnissen.

Aber sehen Sie selbst: Machen Sie mit und vergleichen Sie sich mit den repräsentativen Ergebnissen.

Gehen Sie im Beruf vorneweg und haben sich wie 24 Prozent der Befragten für einen der beiden Führungsfische entschieden? Lieben Sie es, im Beruf kreative Akzente zu setzen und konnten dem bunten Fisch nicht widerstehen, wie acht Prozent der Befragten? Oder bevorzugen Sie es im gesicherten Mittelfeld des Teams zu arbeiten wie 34 Prozent? In der Rolle des beruflichen Nachzüglers sehen sich übrigens drei Prozent. 

Mehr zum Thema Arbeit und den Ergebnissen der großen ZEIT-Studie lesen Sie in der Ausgabe Nr. 10 vom 25.02.2016.

Studienleiterin Professor Jutta Allmendinger fasst die Ergebnisse zusammen: "Die Mehrheit möchte ein Fisch der vorderen Reihen sein. Beim Familienleben ist das übrigens nicht ganz so ausgeprägt. Da empfehlen mehr Menschen, im Mittelfeld zu bleiben. Wir erkennen darin den hohen Stellenwert des Berufslebens."

Das zeigt sich auch in den Antworten auf die Frage, wie wichtig es den Deutschen ist, erwerbstätig zu sein: 86 Prozent geben an, es sei ihnen sehr wichtig. Zum Vergleich: Das Leben genießen ist 82 Prozent sehr wichtig, eigene Kinder haben 78 Prozent und guter Sex nur 52 Prozent.

Fehlende Prozentpunkte bis 100%: keine Angabe/weiß nicht

Frauen messen dem Beruf, das zeigen die Zahlen, inzwischen einen fast gleich großen Wert zu wie Männer. Ebenso wie sie sehen sie darin eine Norm, die sie an ihre Kinder weitergeben würden. Auf die Frage "Wie wichtig sollte es allen Menschen in Zukunft sein, erwerbstätig zu sein?" antworten 92 Prozent aller Männer und 88 Prozent der Frauen mit sehr wichtig. Interessant ist, dass das fast alle Befragten über alle Einkommensgruppen hinweg so hoch einstufen.

Die Zuversicht, dass die Menschen es in Zukunft tatsächlich so halten, ist jedoch deutlich geringer. Nur jeder Zweite glaubt, dass Erwerbstätigkeit einen so hohen Stellenwert behalten wird – vielleicht aus der Erfahrung, dass andere Menschen es schon heute mit der Arbeit nicht ganz so ernst nehmen wie man selbst.

Gerechte Einkommen?

Wären die Deutschen auch weiterhin fleißig, wenn die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens Wirklichkeit würde? Mehr als jeder Zweite würde der Umfrage zufolge auch dann noch arbeiten, wenn er das Geld nicht bräuchte.

Es gibt also auch eine starke innere Motivation zu arbeiten. Dennoch ist die – gerechte – Bezahlung ein großes Thema für viele Deutsche. Mehr als zehn Jahre lang wurde in Deutschland über die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns gestritten. Jetzt könnte eine neue Debatte beginnen – über einen gesetzlichen Höchstlohn.

Fast die Hälfte der Befragten spricht sich klar dafür aus, dass in Deutschland eine maximale Höhe von Gehältern gesetzlich festgelegt wird. Im Osten ist sogar eine Mehrheit dafür.

Beim eigenen Lohn sind viele Menschen zwar der Meinung, er sei angemessen, eine Gruppe ist aber deutlich unzufrieden. Vor allem die Befragten mit niedrigen Einkommen fühlen sich ungerecht behandelt. Von den Befragten mit einem Haushaltseinkommen von weniger als 1.500 Euro netto im Monat bezeichnet sogar jeder Dritte sein Einkommen als ganz und gar nicht angemessen.

Aufstieg durch Glück oder Leistung?

Zählt im Leben vor allem die eigene Leistung – oder braucht man einfach Glück? Bei einer ganzen Reihe von Fragen zu diesem Thema fallen die Antworten widersprüchlich aus. Einerseits stimmen 73 Prozent der Befragten der Aussage zu: "Wie mein Leben verläuft, hängt von mir selbst ab." Nur verschwindende zwei Prozent verneinen das klar. Und sogar 82 Prozent meinen, Erfolg müsse man hart erarbeiten, gegenüber einem Prozent, die das bestreiten.

Auf der anderen Seite sind 38 Prozent überzeugt: "Welche Möglichkeiten ich im Leben habe, wird von den sozialen Umständen bestimmt, sieben Prozent verneinen das stark. Und immerhin jeder Fünfte meint, was man im Leben erreiche, sei in erster Linie eine Frage von Schicksal oder Glück. Dem widersprechen jedoch 27 Prozent stark. Die Meinungen gehen bei diesem Thema also sehr weit auseinander.

Sinn der Arbeit

Geht es um die Inhalte der eigenen Arbeit, zeigen sich viele Menschen aber erstaunlich zufrieden. Drei von vier Befragten sagen, sie würden im Beruf "das machen, was ich immer wollte". Allerdings geben das Arbeiter deutlich seltener an als Selbständige.

Auch bei anderen Fragen zum Beruf zeigt sich ein gemischtes Bild. Fast jeder Zweite sagt, seine Arbeitsinhalte änderten sich so schnell, dass es spannend bleibt. Wieder äußern sich hier vor allem Selbständige sehr zufrieden. Doch jeder Achte macht eine andere Erfahrung und findet es überhaupt nicht spannend. Bei den Arbeitern gibt das sogar jeder Fünfte an.

Auf die Gegenfrage, ob sie manchmal mit den Anforderungen in ihrer Arbeit nicht mehr mitkämen, bestätigen das nur drei Prozent. Immerhin beobachten fünf Prozent, dass viele ihrer Kollegen Drogen und Alkohol nehmen, um den Arbeitsalltag bewältigen zu können. 61 Prozent verneinen das. Jeder Fünfte zumindest findet, sein Leben sei vom Beruf dominiert und hat das Gefühl, im Hamsterrad zu stecken.

Verhältnis zur Technik

Erkennbar wird in der Umfrage auch, in wie weit Technik die Arbeitswelt nach Meinung der Menschen verändert. Jeder Zweite sagt, dass er seine Arbeit mit der richtigen Technik heute von jedem Ort der Welt aus erledigen könnte.

Obwohl viel darüber gesprochen wird, dass bald Maschinen und Algorithmen immer mehr Menschen den Job streitig machen werden, ist von dieser Sorge bisher wenig zu erkennen. Jedenfalls kann sich nur eine extrem kleine Gruppe von Befragten vorstellen, dass ihre Arbeit heute von einer Maschine erledigt werden könnte.

Dies ist zwar nur eine Momentaufnahme und keine Zukunftsprognose. Aber die Einschätzung der Befragten stützt eher die Sicht mancher Experten, die auch nur wenige Berufe für wirklich voll automatisierbar halten.

Wissenschaftliche Beratung: Patricia Wratil (Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung)

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