Viele Deutsche wollen auf ihr geliebtes Bargeld nicht verzichten. © dpa

Ist das Ende des Bargelds nah? Aus London betrachtet mutet die Debatte in Deutschland einigermaßen amüsant an. Nicht nur, dass der 50 Pfundschein der höchste ist (also noch nicht mal 100 Euro). Auch zahlen die Briten, wie die Skandinavier auch, fast alles mit Karte. Dass ich als Deutscher gerne 50 Pfund in bar in der Tasche habe, wird von meinen britischen Kollegen humorvoll begleitet – und hoch geschätzt, wenn im kleinen Sandwichshop der Kartenleser nicht funktioniert.

Für viele Deutsche ist Bargeldzahlung, frei nach Fjodor Michailowitsch Dostojewski, geprägte Freiheit. Aus Datenschutzgründen ist das verständlich. Wie bei der Vorratsdatenspeicherung müssen diese Bedenken gegen Sicherheitsinteressen abgewogen werden. Sobald es um den ökonomischen Sinn des Bargelds geht, bleiben viele deutsche Bargeldfans allerdings Antworten schuldig.

Hauptgrund der Bargelddebatte sei mitnichten die Jagd nach "Kleinganoven", schreibt der Ökonom Hans-Werner Sinn in einem Beitrag für die FAZ, sondern die Eurokrise und der Versuch der Europäischen Zentralbank (EZB), negative Zinsen durchzusetzen. Ja, die Finanz- und später die Eurokrise ist mitverantwortlich für die niedrigen Zinsen: hoch verschuldete Haushalte, Staaten und Unternehmen fallen als Impulsgeber für die Weltwirtschaft aus. Schwellenländer wie China – die diese Aufgabe in den vergangenen Jahren für die USA und Europa ausgefüllt haben – stoßen an ihre Grenzen. Und die USA können nicht wieder der Konsument der letzten Instanz für die Welt sein.

Ohne den Euro wäre die Krise vermutlich weniger drastisch ausgefallen – das Problem, das wir heute mit der Nachfrageschwäche in der Weltwirtschaft haben, wäre aber ähnlich. So sind es auch Japan, die Schweiz und Schweden, bekanntermaßen keine Euromitglieder, die am aggressivsten mit dem Aufkauf von Staatsanleihen und negativen Zinsen experimentieren.

Japan und die Schweiz zeigen auch, dass es kein Bargeldverbot braucht, um negative Zinsen durchzusetzen. Die Bank of Japan (BoJ) hat zum Beispiel den Banken ein Zinsmenü vorgelegt, das Bargeld unattraktiv macht, ohne es zu verbieten. Die Tresorkosten von 500- und 200-Euroscheinen, die Hans-Werner Sinn ausgerechnet hat, spielen da keine Rolle.

Die BoJ zahlt auf Bankguthaben bis zu einer bestimmten Menge positive beziehungsweise keine Zinsen, und verlangt darüber hinaus negative Zinsen. Sobald eine Bank mehr Bargeld für ihre Kunden bekommen möchte, wird die Menge an Guthaben, die Nullzinsen bekommen, um den gleichen Betrag reduziert. De facto zahlt also eine Bank auf ihr Bargeld automatisch negative Zinsen, was Bargeldhaltung ausreichend unattraktiv macht. Dieses Zinsmenü ließe sich natürlich problemlos auf (große) Privatkunden ausdehnen: Wer Bargeld abhebt, muss dafür Gebühren zahlen.

Nun werden Bargeldfans einwenden, dass dies genau eine solche Art von Einschränkung von Bargeld ist, die sie ablehnen. Doch greift diese Argumentation viel zu kurz. Denn das Problem der Weltwirtschaft bleibt ungelöst: Wie sollen die Investitionsschwäche und die Sparschwemme auf der Welt in Einklang gebracht werden? In dem Moment, wo zu viele beginnen, (Bar)geld zu horten, hört Geld auf, ein gesellschaftlich sinnvolles Sparvehikel zu sein.

Satire - Warum mag jeder Geld? Geld ist für uns wichtig. Warum es jeder mag, erklärt der Wissenschaftler aus dem Film. Er argumentiert mit einer Portion Halbwissen und schräger Philosophie.