Der britische Unternehmer James Dyson und Premierminister David Cameron (v.l.) © Newsteam/Pool/Getty Images

Glaubt man dem britischen Industrieverband, will die Mehrheit der englischen Unternehmer in der EU bleiben. Seit Premierminister David Cameron seine Verhandlungen mit der EU beendet hat, plädieren immer mehr Banken, Versicherungen und Industriekonzerne für einen Verbleib in der EU. Eine recht lautstarke Minderheit von britischen Unternehmern aber plädiert für den Brexit. Oft sind dies extrem erfolgreiche Gründer, Manager und Erben großer Unternehmen. Warum kehren gerade sie der EU den Rücken?

Einer von ihnen ist James Dyson, Erfinder der beutellosen Staubsauger-Technologie, die seinen Geräten reißenden Absatz garantiert. Dyson ist verärgert und fordert, dass die EU realistischere Testverfahren für Staubsauger einführen solle. Er will zeigen, dass seine Umweltstandards den Modellen von Bosch und Siemens weit überlegen sind. "Ich sehe nicht ein, warum wir uns in der EU von den Deutschen drangsalieren lassen sollen", sagt Dyson. "Unsere Branche wird von den Deutschen dominiert. Die setzen die Standards und sitzen in diesen Komitees, damit ihre alte Technologie weiter unterstützt wird", behauptet er. Er ist so sauer, dass er öffentlich für den Austritt Großbritanniens aus der EU plädiert.

Dyson ist allerdings ein Einzelfall. Es gibt wenig Unternehmer, deren antieuropäische Haltung so leicht erklärt werden kann. Meist ist der Widerstand politisch, entpuppen sich die Widersacher als überzeugte Konservative, die deshalb die Anti-EU-Kampagne Business for Britian oder Vote Leave vorantreiben. Ein harter Kern dieser Unternehmer hat gar die City of London Corporation schriftlich aufgerufen, in der Diskussion um die EU einen neutralen Standpunkt einzunehmen, wohl wissend, dass die Corporation als Vertretung der Londoner Finanzbranche für einen Verbleib in der EU ist.

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Kein Grund für einen Austritt

Der Aufruf wurde von 18 Unternehmern unterzeichnet, keiner davon ein Repräsentant einer namhaften Bank oder Versicherung. Fast alle Unterzeichner stehen politisch der Konservativen Partei und ihren Euroskeptikern nahe, allen voran Lord Lamont, ehemaliger Schatzkanzler der Konservativen, oder Stuart Wheeler, ehemals Anhänger der Konservativen, jetzt Anhänger der Anti-EU-Partei Ukip, oder Peter Cruddas, erfolgreicher Broker und bis zu seinem Rücktritt Finanzverwalter der Konservativen Partei.

Ein Großteil der Unterzeichner sind Gründer oder Eigentümer von Hedgefonds, Private-Equity-Gesellschaften oder Venture-Capital-Gesellschaften, deren hochprofitable Zeiten seit der Finanzkrise vorbei sind, auch wegen schärferer EU-Vorschriften. Stimmen sie deshalb gegen die EU? Crispin Odey, Gründer eines der erfolgreichsten Hedgefonds in der City und Geldgeber der Brexit-Kampagne Vote Leave, sagt: Nein.

"Eigentlich gibt es für Hedgefonds nicht wirklich etwas Beängstigendes aus Brüssel", räumt Odey ein. Dass Hedgefonds-Manager wegen der EU-Regulierungen aus der EU wollten, sei "völliger Quatsch". Ihm gehe es ums Prinzip, um Politik. Ähnlich wie Sir Michael Hintze, Gründer des Hedgefonds CQS, der seit Jahren der Konservativen Partei spendet. Odey und Hintze sind beide Milliardäre und weit davon entfernt, dass ihr Geschäft an der EU gescheitert wäre.

"Als Unternehmer weiß ich, dass Großbritannien außerhalb der EU mehr Erfolg hätte", sagt Luke Johnson, ebenfalls ein Paradebeispiel erfolgreichen Unternehmertums im Vereinigten Königreich. Er blickt auf eine Unternehmerkarriere, die zeigt, dass man in Großbritannien trotz EU in der Gastronomie (Pizza Express), im Frachtgeschäft und mit einer Kette von Zahnarztpraxen gut Geld machen kann. Aber er ist nicht zufrieden. "Die EU kostet zu viel und behindert unseren Handel mit den stark wachsenden Schwellenländern", sagt Johnson. London schicke jedes Jahr mehr als vier Milliarden Pfund nach Brüssel – genug, um jeden zweiten Monat ein neues Krankenhaus zu bauen. Dabei erwähnt Johnson aber nicht, dass dieses Geld nur 1,4 Prozent des britischen Haushaltes ausmacht.

"Die EU würgt unsere Demokratie ab und hat zu viel Macht über unser tägliches Leben", klagt Johnson weiter. Warum könne die EU bestimmen, ob Insassen von Gefängnissen wählen dürften oder nicht? "Warum kann die EU entscheiden, wie lang unser Personal in Krankenhäusern arbeiten darf?" Wegen Regulierungen wie der Arbeitszeit-Richtlinie sei die EU seit Jahrzehnten eine Job-Vernichtungsmaschine. Er behauptet auch, in der EU werde Großbritannien in noch mehr teure Rettungsaktionen gezogen, obwohl Großbritannien für die Rettungsaktionen in der Währungsunion gar nicht zahlt. "Wer für die EU stimmt, gibt Brüssel noch mehr Geld und Macht, und zwar für immer", sagt er.

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