Die starke Nachfrage im Dienstleistungssektor hat die Zahl der Beschäftigten auf ein Rekordniveau gehoben. Im vierten Quartal 2015 wurden 43,4 Millionen Erwerbstätige in Deutschland gezählt. Das waren 412.000 Menschen oder ein Prozent mehr als ein Jahr zuvor, teilte das Statistische Bundesamt mit. Einen stärkeren Zuwachs gab es zuletzt im Sommer 2012.

Während die Zahl der Selbstständigen sank, stieg die der Arbeitnehmer auf ein Rekordniveau. Sie erhöhte sich Ende vergangenen Jahres um 510.000 oder 1,3 Prozent auf 39,2 Millionen. Damit wurde erstmals die Marke von 39 Millionen Arbeitnehmern übertroffen. Die Zahl der Selbstständigen einschließlich mithelfender Familienangehöriger ging dagegen um 98.000 auf 4,2 Millionen zurück. Damit sei die Selbstständigkeit im Vorjahresvergleich seit über drei Jahren rückläufig. Die Zahl der Arbeitslosen ist auf den niedrigsten Stand seit 24 gesunken.

Die größten Zuwächse bei Beschäftigten meldeten mit 151.000 Personen oder 2,6 Prozent die Unternehmensdienstleister. Dazu gehören zum Beispiel Reinigungsunternehmen oder IT-Firmen. Im Bereich Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit gab es ein Plus von 145.000, im Bereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe 104.000.

Im Produzierenden Gewerbe (ohne Bau) gab es ein Plus von 18.000 Personen, im Baugewerbe von 1.000. Dagegen sank die Erwerbstätigenzahl in der Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei um 19.000.

Arbeitsbelastung jedes Einzelnen gesunken

Die von allen gemeinsam erbrachte gesamtwirtschaftliche Arbeitsleistung wuchs um zwei Prozent auf knapp 59 Milliarden Stunden im Jahr 2015. Damit wurden fast die Rekordwerte von kurz nach der Wiedervereinigung erreicht, als auf dem Gebiet der früheren DDR noch große Belegschaften mitgezählt wurden. Im Jahr 1991 waren laut Statistik noch 60,3 Milliarden Arbeitsstunden geleistet worden.

Unter anderem wegen der seitdem zunehmenden Teilzeitarbeit ist die Arbeitsbelastung jedes einzelnen Beschäftigten in der Tendenz gesunken. Im Jahr 2015 leistete jeder Erwerbstätige durchschnittlich 1.371 Arbeitsstunden, fast 200 weniger als im Jahr 1991 mit 1.565 Stunden. Die aktuelle Arbeitsleistung entsprach rund sechs Stunden pro Arbeitstag.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht vor allem beim Rückgang der Selbstständigen ein Gefahrenpotenzial: "Das ist ein Warnsignal", sagte der Referatsleiter Existenzgründung beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), Marc Evers. Denn dadurch gebe es künftig Unternehmen, die für Beschäftigung sorgten. "Gute Fachkräfte bekommen gute Angebote aus der Wirtschaft, zumal in Zeiten des Fachkräftemangels." Die sichere, gut dotierte Festanstellung würde der Existenzgründung mit ungewissem Ausgang vorgezogen. Das sei die Schattenseite der guten Konjunktur. "Wenn wir nicht aufpassen, gerät das Erfolgsmodell des international erfolgreichen deutschen Mittelstandes unter Druck", warnte er. Zumal in Schwellenländern immer mehr innovative Start-ups gegründet würden. Um gegenzusteuern, müssten die Themen Wirtschaft und Existenzgründung im Schulunterricht eine viel größere Rolle spielen.