Wegen des verlangsamten Wirtschaftswachstums in China und geopolitischer Unsicherheiten geht die EU-Kommission von einem niedrigeren Wachstum in der Eurozone aus. Die Wirtschaft in den 19 Ländern des gemeinsamen Währungsraums dürfte demnach 2016 nur um 1,7 Prozent wachsen, teilte die Kommission mit. Das sind 0,1 Prozentpunkte weniger als im vergangenen Herbst erwartet.

Wie bereits in ihrem Herbst-Gutachten sieht die EU-Kommission die wirtschaftliche Entwicklung im gemeinsamen Währungsgebiet aber weiter positiv. Für 2017 sagt sie unverändert ein Wachstum von 1,9 Prozent voraus. Vor allem ein starker Konsum, der auf teils höhere Löhne zurückgehe, wirke sich positiv aus, sagte EU-Finanzkommissar Pierre Moscovici. Auch die niedrigen Ölpreise, günstige Finanzierungsbedingungen und niedrige Wechselkurse fördern das Wirtschaftswachstum.

Risikofaktoren stellten jedoch noch konjunkturelle Probleme von Schwellenländern wie Russland und Brasilien sowie der schwache Welthandel dar, hieß es. "Gerade jetzt müssen wir strukturelle Reformen fortsetzen, die unseren Volkswirtschaften zu Wachstum verhelfen," sagte EU-Vizekommissionspräsident Valdis Dombrovskis. Nur so könne man wirtschaftlichen Schwankungen standhalten und in Zukunft bessere Beschäftigungsmöglichkeiten für die Bevölkerung schaffen.

Die Staatsdefizite in der Eurozone gehen generell zurück. Sorgen bereitet den Währungshütern jedoch Portugal. Die EU-Kommission und die Regierung in Lissabon stritten zuletzt über den Haushalt 2016. Am Freitag will die EU-Behörde ihre Meinung zum verspätet eingereichten Haushaltsentwurf bekanntgeben. Es wird erwartet, dass die Kommission weitere Sparmaßnahmen fordert. Die EU-Kommission geht davon aus, dass das Land sowohl 2016 als auch 2017 bei der Neuverschuldung die Maastricht-Obergrenze von 3,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts überschreiten wird.

Positiver sieht die EU-Kommission die Entwicklung in Griechenland. Für 2016 geht sie von einer gesamtstaatlichen Verschuldung von 185 Prozent der Wirtschaftsleistung aus. Im vergangenen Herbst lag die Schätzung noch bei knapp 200 Prozent. Erlaubt sind eigentlich höchstens 60 Prozent. Die griechische Regierung fordert seit Längerem Schuldenerleichterungen. Die Geldgeber wollen aber erst die laufende Überprüfung des neuen Rettungsprogramms abwarten.