Angesichts der Konjunkturschwäche in vielen Schwellenländern hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ihre Wachstumsprognosen erneut gesenkt. In ihrem Konjunkturausblick geht die Organisation für dieses Jahr nur noch von einem weltweiten Wachstum von drei Prozent aus – im vergangenen November hatte die OECD noch ein Plus von 3,3 Prozent erwartet.

Auch für Deutschland senkte die Organisation ihre Prognose ab: Dieses Jahr wird eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,3 Prozent erwartet, 2017 dann von 1,7 Prozent. Im November lag die Prognose der OECD noch bei 1,8 beziehungsweise 2,0 Prozent. Kürzlich hatte auch die EU-Kommission ihre Wachstumsprognose für die Eurozone reduziert.

Die OECD erwartet in der Eurozone in diesem Jahr ein Wachstum von 1,4 Prozent und im kommenden Jahr von 1,7 Prozent. China wird eine langsameres Wirtschaftswachstum vorausgesagt, von 6,5 Prozent in diesem Jahr auf 6,2 Prozent 2017. Im Schwellenland Brasilien rechnet die OECD in diesem Jahr mit einer schweren Rezession. Die Wirtschaft werde hier um vier Prozent schrumpfen, prognostiziert die OECD.

"Das Wachstum verlangsamt sich in zahlreichen Schwellenländern und die wirtschaftliche Erholung fällt in den Industriestaaten sehr bescheiden aus", schreibt die Organisation in ihrem Zwischenbericht zur Lage der Weltwirtschaft. Zugleich warnte die Organisation angesichts der derzeitigen Nervosität auf den Finanzmärkten vor "bedeutsamen Risiken einer finanziellen Instabilität".

Die OECD forderte angesichts der negativen Aussichten ein stärkeres gemeinsames Vorgehen, um die Wirtschaft zu beleben. Die Geldpolitik der Zentralbanken allein reiche nicht. Wo möglich, solle der Staat mehr Geld für Investitionen bereitstellen: "Die Regierungen in vielen Ländern sind derzeit in der Lage, sich für lange Zeiträume zu sehr niedrigen Zinsen Geld zu leihen, was in der Konsequenz den fiskalischen Spielraum erhöht", schreibt die Organisation in dem Bericht. Zudem brauche es mehr Ehrgeiz bei Strukturreformen.

Die Zahlen der OECD sind nicht direkt mit den Prognosen zum Beispiel der Bundesregierung vergleichbar, da die Organisation die Werte um die Zahl der Arbeitstage bereinigt.