Noch vor acht Jahren kannte die Begeisterung im Technologiezentrum an der US-Westküste keine Grenzen. Schwergewichte wie Facebook-Managerin Sheryl Sandberg, Yahoos Marissa Mayer und Google-Chairman Eric Schmidt warfen sich hinter Barack Obama und luden ihn zu Spendenabenden in ihre Häuser ein. Ingenieure und Programmierer verzichteten auf gut dotierte Positionen oder ließen sich beurlauben, um das Wahlkampfteam zu unterstützen. Jeder, erzählt Matt Gardner vom California Technology Council, hätte damals seinen eigenen Grund gefunden, sich vom Obama-Fieber anstecken zu lassen. Am Ende gingen alle neun Counties rund um das Technologiezentrum mit zweistelligem Vorsprung an den Demokraten. Und auch 2012 konnte sich der Präsident auf die Bay Area verlassen.

2016 fehlt es im Silicon Valley plötzlich am nötigen Enthusiasmus. Zwar führt Hillary Clinton das Spendenfeld derzeit an. Die Angestellten und Chefs der zehn größten Firmen gaben im vergangenen Quartal immerhin mehr als 300.000 Dollar an das Clinton-Team. Doch mit ihrem Kurswechsel beim Transpazifischen Handelsabkommen und einer härteren Gangart gegenüber der wichtigen Biotech-Branche hat die Kandidatin die Skepsis in der Technologie-Branche wieder erhöht. Auch Bernie Sanders, der im Rest des Landes vor allem die jungen Demokraten von der nächsten politischen Revolution träumen lässt, sorgt hier nur für verhaltene Zustimmung: Zwischen Oktober und Dezember konnte er im Silicon Valley gerade mal 92.000 Dollar an Spenden verbuchen. Er sage schlicht nicht besonders viel über die Themen, die dort von Bedeutung seien, so Matt Gardner.

Die Demokraten haben in der Region zwar eine fest institutionalisierte Wählerbasis. Doch weder die linke noch die rechte Schablone passen wirklich auf das Selbstbild der Ingenieure und Manager im Silicon Valley. Sie sind einerseits glühende Verfechter eines freien Marktes, in dem sich Innovation und Fortschritt frei entfalten können. Andererseits sehen sie Washington in der Verantwortung, wenn es um die Ausbildung und Gesundheit der Amerikaner geht. Die Enthüllungen von Edward Snowden über die massenhafte Überwachung von Nutzerdaten haben das Verhältnis zwischen der Branche und der Regierung zusätzlich verkompliziert. Ein zwangsläufiger Kandidat sei da schwierig zu finden, sagt Gardner.

Selbst bei den Konservativen gibt es deshalb im Jahr 2016 Kandidaten, die im Tal Zuspruch finden. Der inzwischen ausgeschiedene libertäre Republikaner Rand Paul etwa konnte mit seinem Kampf gegen staatliche Überwachung punkten. "Die breite Unterstützung hat viele vollkommen überrascht", sagt auch Gardner. Und Marco Rubio gilt hier als wählbar, weil er anders als viele Republikaner eine Einwanderungsreform befürwortet und die Grenzen nicht einfach dicht machen will. Zu seinen Unterstützern gehört Multimilliardär und Oracle-Chef Larry Ellison, inzwischen hat Rubio genauso viele Valley-Dollar erhalten wie Sanders. Viele im Tal würden noch immer auf eine Kandidatur des ehemaligen New Yorker Bürgermeisters und Selfmade-Milliardärs Michael Bloomberg hoffen, glaubt dagegen der Buchautor und Journalist Greg Ferenstein. Der passe mit seiner Biografie - Bloomberg baute mit der gleichnamigen Firma schließlich selbst ein Medien- und Informationsimperium auf - zum Selbstbild der Technologie-Elite.