Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat angesichts der VW-Affäre um manipulierte Abgaswerte verschärfte Kontrollen bei allen Automobilherstellern angekündigt. "Es wird Kontrollen für Kraftfahrzeuge im Stile von Dopingtests geben. Unangemeldet, jedes Jahr", sagte Dobrindt der Zeitung Bild am Sonntag. Nach dem Zufallsprinzip sollten Fahrzeuge beispielsweise über Autovermietungen ausgewählt und deren Schadstoffausstoß getestet werden.

Sein Ministerium wolle sicherstellen, dass Manipulationen wie im Fall von Volkswagen nicht wieder passieren könnten. "Wir bauen eigene staatliche Prüfstände beim Kraftfahrt-Bundesamt auf", sagte der CSU-Politiker. Die Aufsicht über die Kontrollstellen habe das Verkehrsministerium. "Diese zusätzlichen Prüfungen sollen helfen, durch den VW-Skandal verspieltes Vertrauen in die Autoindustrie wiederherzustellen." Neben den Schadstofftests sei auch eine Rotation der Prüfdienste und die Offenlegung der Motorsoftware geplant.

VW muss aus Sicht des Verkehrsministers weltweit Vertrauen zurückgewinnen. Dafür sei es wichtig, dass die Verantwortlichen benannt und zur Rechenschaft gezogen würden: "Ich erwarte, dass Volkswagen vollumfänglich über die Abläufe, die zu der Manipulation geführt haben, Auskunft gibt", sagte Dobrindt.

Winterkorn war angeblich informiert

Der frühere VW-Vorstandschef Martin Winterkorn wird in der Affäre laut Bild am Sonntag durch interne Dokumente belastet. Bereits am 23. Mai 2014 sei Winterkorn von einem Mitarbeiter schriftlich vor Ermittlungen der US-Umweltbehörden wegen überhöhter Abgaswerte und der Suche nach einer VW-Betrugssoftware gewarnt worden. Winterkorn hatte versichert, von der Software erst kurz vor dem 18. September 2015 erfahren zu haben. An diesem Tag hatten die US-Umweltbehörden den VW-Abgasbetrug öffentlich gemacht.

In der Notiz, aus der die Bild am Sonntag zitiert, geht es um Messungen der Behörden, bei denen die zulässigen Stickoxidwerte um das bis zu 35-Fache überschritten wurden. Eine fundierte Erklärung für die dramatisch erhöhten Emissionen könne den Behörden nicht gegeben werden, heißt es in dem Schreiben an Winterkorn. Es sei "zu vermuten, dass die Behörden die VW Systeme daraufhin untersuchen werden, ob Volkswagen eine Testerkennung in die Motorsteuergeräte-Software implementiert hat". Winterkorn wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.