Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) macht Werbung für den Mindestlohn. © John Macdougall/AFP/Getty Images

Das erste Mal seit 2009 hat sich der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen um einen Prozentpunkt verringert, wie das Statistische Bundesamt anlässlich des Equal Pay Day am 19. März bekannt gab. Er liegt nun bei 21 Prozent. Arbeitnehmerinnen kamen 2015 demnach durchschnittlich auf einen Bruttostundenlohn von 16,20 Euro, Männer bekamen 20,59 Euro. Weder die Qualifikation noch die Art der Tätigkeit wurden bei der Erhebung berücksichtigt. 

Einer der Gründe für die leichte Verbesserung könnte die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro pro Stunde zum 1. Januar 2015 gewesen sein, vermuten die Statistiker. Eine exakte Bewertung sei mit den Daten der vierteljährlichen Verdiensterhebung zwar nicht möglich. Mit Einführung des Mindestlohns stiegen die Verdienste für Frauen im vergangenen Jahr aber um 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, während Männer nur 2 Prozent mehr verdienten.

Besonders ungelernte und angelernte Arbeitnehmerinnen erhielten mehr Lohn, nämlich ein Plus von 3,4 beziehungsweise 3,5 Prozent. In Ostdeutschland war die Lohnsteigerung laut Statistik mit 8,9 Prozent beziehungsweise 7,2 Prozent außergewöhnlich hoch. Für ungelernte und angelernte männliche Arbeitnehmer fiel sie niedriger aus. Der bisherige Trend eines wachsenden Verdienstunterschieds zwischen Männern und Frauen im Osten sei aber unterbrochen worden. In Westdeutschland lag der Verdienstunterschied bei 23 Prozent. Im Osten waren es nur acht.

Der Verdienstunterschied hat verschiedene Ursachen: Frauen arbeiten aus familiären Gründen häufig in Teilzeit, sind oft in Branchen mit geringerer Bezahlung tätig und bekleiden seltener eine Führungsposition. Bei vergleichbarer Tätigkeit und ähnlicher Qualifikation verdienten Frauen den Angaben zufolge pro Stunde sieben Prozent weniger als Männer.


Einer aktuellen Studie zufolge gibt es auch bei den Renten eine große Lücke zwischen Frauen und Männern. Als gesetzliche Altersrente erhielten Frauen 2014 durchschnittlich 618 Euro, Männer 1037 Euro, so die Erhebung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Bei den Betriebsrenten sei der Unterschied noch größer: Männer bezogen hier 2011 im Schnitt mit 574 Euro fast dreimal so viel Geld wie Frauen. Rechnet man alle Alterseinkünfte einschließlich privater Vorsorge zusammen, bekommen Frauen nach Erkenntnissen der Rentenforscherin Brigitte Loose nur 43 Prozent der Bezüge der Männer. Die Kluft bei den Renten werde langsam kleiner, weil mehr Frauen erwerbstätig seien und Erziehungszeiten besser anerkannt würden.