Ein Arbeiter in einer chinesischen Textilfabrik. Waren aus China sind immer weniger gefragt, zeigen neue Zahlen. © China Daily/Reuters

Der chinesische Handel ist im Februar deutlich zurückgegangen. Der Export der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft fiel im Vergleich zum Vorjahresmonat um 20,6 Prozent auf 821,8 Milliarden Yuan (114,63 Milliarden Euro). Das teilte die Zollverwaltung in Peking mit. Damit sind die chinesischen Exporte im Februar so stark gesunken wie seit 2009 nicht mehr. Auch die Importe gingen stark zurück, um acht Prozent auf 612,3 Milliarden Yuan (85,41 Milliarden Euro), und damit den 16. Monat in Folge.

Das Ausmaß des Rückgangs überraschte die Analysten, obwohl die Ausfuhren schon im Januar stark zurückgegangen waren. Dafür verantwortlich ist eine geringere Nachfrage weltweit, sowohl in Schwellen- als auch in Industrieländern.

Gründe für die sinkenden Importe sind eine schwache Nachfrage nach ausländischen Gütern in China und die niedrigen Rohstoffpreise, die den Wert der Importe drücken. Volkswirte verwiesen allerdings darauf, dass die Rückgänge wohl auch mit den Feiertagen zum chinesischen Neujahrsfest zusammenhängen können. Die lagen in diesem Jahr im Februar, 2015 dagegen größtenteils erst im März.

China - Neuer Fünfjahresplan sieht Wirtschaftswachstum von 6,5 Prozent vor Im Entwurf des neuen Fünfjahresplans der kommunistischen Führung heißt es, im Schnitt solle das Wirtschaftswachstum in dem Zeitraum bei oder oberhalb von 6,5 Prozent liegen. Dafür soll unter anderem die Dienstleistungsbranche gestärkt werden.

Ein weiteres Problem für chinesische Unternehmen sind neue, günstigere Wettbewerber vor allem in Südostasien. Weil in China die Lohnkosten steigen, können Länder dort nun deutlich günstiger produzieren, weshalb der Volkswirtschaft Aufträge verloren gehen.

Die schlechten Handelszahlen erschweren die Bemühungen der Kommunistischen Partei, die staatlich dominierte Wirtschaft zu reformieren. Statt weiter die "Werkbank der Welt" zu sein, sollen die Unternehmen des Landes innovativer werden. Außerdem soll durch einen stärkeren Dienstleistungssektor der Binnenkonsum angekurbelt werden. Investitionen im Ausland und Exporte sollen an Gewicht verlieren.

Die für die gesamte Weltwirtschaft wichtige chinesische Volkswirtschaft sorgt schon seit Längerem mit schwachem Wachstum für Beunruhigung. Chinas Wirtschaft hatte 2015 nach offiziellen Angaben um 6,9 Prozent zugelegt. Das war die geringste Wachstumsrate seit einem Vierteljahrhundert.

In diesem Jahr strebt die chinesische Führung ein Wirtschaftswachstum von 6,5 bis sieben Prozent an, wie Regierungschef Li Keqiang am Samstag im Nationalen Volkskongress sagte. "Wir müssen darauf vorbereitet sein, einen schwierigen Kampf zu kämpfen." Im vergangenen Jahr sanken die Exportzahlen um 2,8 Prozent.

Die schwachen Handelsdaten aus China sorgten laut Aktienhändler Mark Lee von der London Capital Group auch am deutschen Aktienmarkt für die Fortsetzung des schwachen Wochenauftakts. Im frühen Handel sank der Dax um 1,24 Prozent auf 9.658,08 Punkte.