Rentner beim Gesundheitstraining © Volker Hartmann/dpa

Die Bezüge der 20,6 Millionen Rentner in Deutschland steigen zum 1. Juli so stark wie seit Jahren nicht mehr. Im Westen würden die Renten um 4,25 Prozent und im Osten um 5,95 Prozent erhöht, teilte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles mit. Der Hauptgrund ist die gute Lohnentwicklung. Hinzu kommt ein Statistikeffekt, der 2015 die Rentenerhöhung verringert hatte und nun ein zusätzliches Plus bewirkt. Bezahlt wird die Rentenerhöhung allein aus den Kassen der Rentenversicherung. Der Bundeshaushalt wird nicht belastet.

Unabhängig davon sinkt das Vertrauen der Deutschen in ihre Rente jedoch: Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Infratest geht inzwischen nur etwa ein Drittel der Bevölkerung davon aus, dass die gesetzliche Rente für ein gutes Leben ausreichen wird. Sechs von zehn Bundesbürgern befürworten höhere Rentenbeiträge für Arbeitnehmer und Arbeitgeber, wenn auf diese Weise der Lebensstandard im Alter annähernd gesichert würde, zitierte die Frankfurter Rundschau (Montagsausgabe) aus der Umfrage.

Das IG-Metall-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban forderte "Leistungsverbesserungen bei der gesetzlichen Rente". Nötig sei eine solidarische Alterssicherung, an der sich alle Erwerbstätigen beteiligten, sagte Urban der Zeitung. "Auch Selbstständige und Beamte sollen rein in die gesetzliche Rentenversicherung." In der Umfrage hatten ebenfalls 79 Prozent eine solche Rentenversicherung für alle befürwortet.

Andrea Nahles - Nahles gibt Rentenerhöhung bekannt Zum 1. Juli sollen die Altersbezüge in Deutschland deutlich steigen.

TNS Infratest hatte im Auftrag der IG Metall Mitte Februar 1.046 Wahlberechtigte befragt. Besonders groß war demnach die Skepsis bei den 18- bis 34-Jährigen: Nur 22 Prozent von ihnen rechnen damit, von der gesetzlichen Rente gut leben zu können. Drei Viertel von ihnen gehen nicht davon aus, dass ihre Rente einmal reichen wird. 60 Prozent der jungen Generation bekundeten zudem wenig oder kein Vertrauen in die Rentenversicherung insgesamt.

Nach Ansicht von IG-Metall-Vorstand Urban ist die pessimistischere Sicht der Jüngeren durchaus berechtigt. Nach dem derzeitigen Zwischenhoch mit kräftigen Rentensteigerungen werde das Niveau ab 2021 wieder deutlich sinken, sagte er. Das treffe vor allem die junge Generation. Diese werde zudem wegen einer längeren Ausbildung und wechselnder Erwerbsformen "deutlich kürzere Versicherungszeiten" haben und damit auch eine niedrigere Rente erreichen.