Der ehemalige Daimler-Chef Edzard Reuter ist nicht erstaunt über das politische Desinteresse der Generation Y. Die Krise treffe jetzt auf junge Menschen, die sich nie engagiert und nie für Politik interessiert hätten, so der 88-jährige Reuter in der Wochenzeitung DIE ZEIT. Viele Menschen seien in dem Gefühl groß geworden, dass es ihnen gut gehe. "Und nun kommt plötzlich eine völlig unerwartete und noch nie vorher erlebte Krise", so Reuter.

Im Desinteresse der Menschen an Politik sieht Reuter auch den Erfolg von Pegida und der AfD begründet. Die Rechtspopulisten und Rechtsextremen bauten Bedrohungsszenarien auf und schürten Ängste. "Das hat aber mit Politik nichts zu tun, das ist Stimmungsmache, die hauen einfach nur drauf. Wie Ende der zwanziger und Anfang der dreißiger Jahre." 

Mehr zum Thema lesen Sie in der ZEIT Nr. 11 vom 3.3.2016.

Man könne über die 68er sagen, was man wolle. "Die haben häufig falsche Lösungen gefunden. Aber die haben sich gestritten und engagiert und diskutiert", so Reuter. Die politisch verantwortlichen Kreise hätten nicht verstanden, dass Politik ein unverzichtbares Element jeder Demokratie sei. Kontroversen würden nur noch für die nächsten Wahlen inszeniert, die wahren Probleme würden nicht angesprochen. "Kein Wunder, dass die Jungen denken, dass ihnen niemand die Wahrheit sagt", so Reuter.