Der syrische Flüchtling Mohamed Aloloh und seine Kinder rösten Kartoffeln an einer Feuerstelle in unmittelbarer Nähe zur mazedonischen Grenze. © Kostas Koukoumakas

Mohamed Aloloh, 43, sitzt seit vier Tagen in Idomeni fest. Mit seiner Familie hat er sich um ein kleines Feuer versammelt und röstet dort Kartoffeln, um sich, seine Frau und die Kinder zu ernähren. Die Odyssee der syrischen Familie begann vor Wochen in Aleppo, jetzt hat sie ein jähes Ende am Metallzaun gefunden, den Mazedonien an der Grenze zu Griechenland gebaut hat.

Mehr als 10.000 Menschen – zumeist syrische und irakische Flüchtlinge – sind seit zehn Tagen im Niemandsland zwischen den beiden Staaten gestrandet und flehen darum, weiter nach Zentraleuropa reisen zu dürfen. Am vergangenen Montag versuchten Flüchtende, den Zaun umzuwerfen und die Grenze zu erstürmen. Die mazedonische Polizei antwortete mit Tränengas. Seitdem haben nur noch etwas mehr als 100 Menschen die Grenze überquert.

Mazedonische Grenze - "Wir haben einen zweiten Krieg gefunden" Tausende Flüchtlinge sind an der Grenze zu Mazedonien gestrandet. Ein Syrer berichtet, wie er die Situation dort erlebt.

An die wartenden Flüchtlinge werden dennoch Nummern verteilt, um ihre Weiterreise zu ordnen. Die erste Gruppe momentan hat die Nummer 65, Alolohs Familie die Nummer 195. Selbst wenn die Grenze wieder geöffnet wird, werden sie noch viele Tage warten müssen. "Wir brauchen Sauberkeit und Hygiene gerade viel dringender als Essen", sagt Aloloh. "Wir leben hier im Schlamm und frieren. Die Situation wird nachts noch schlimmer", sagt der Familienvater. Er träumt davon, Deutschland zu erreichen. "Ich hatte die Telefonnummer meines Kollegen in Deutschland dabei, aber auf der Bootsüberfahrt über die Ägäis von der Türkei nach Griechenland ist meine Tasche ins Meer gefallen und ich habe sie verloren."

Der Winter hier ist noch nicht vorüber

Wird Idomeni zum neuen Calais des Balkans, wo auch monatelang Tausende Menschen festsitzen? Dieses kleine Dorf mit 150 Einwohnern an der griechisch-mazedonischen Grenze ist mittlerweile wegen der Krise weltweit bekannt. Flüchtlinge und Migranten leben unter harten Bedingungen, entweder in kleinen Zelten oder unter freiem Himmel. Der Winter hier ist noch nicht vorüber, es regnet und es ist kalt.

Viele haben behelfsmäßige Zelte errichtet, auf die sie "Öffnet die Grenze", "Hilfe, es ist kalt" und Ähnliches geschrieben haben. Immer wieder gibt es kleine Demonstrationen, Flüchtlinge halten Banner hoch, auf denen auch "Danke Medien" geschrieben steht. Sobald die Nacht kommt, zünden die Menschen Feuer an, um sich zu wärmen. Die Kinder spielen den ganzen Tag im Schlamm. 40 Prozent der Gestrandeten in Idomeni sind Minderjährige. Die Mahlzeiten der Hilfsorganisationen reichen nie, um alle Menschen zu ernähren. Wer noch Geld hat, stellt sich in die Schlange vor einen Imbisswagen, um ein Sandwich mit Brot und Pommes für drei Euro zu ergattern.

Wo in Griechenland Flüchtlinge festsitzen

An vielen Orten im Land sind provisorische Aufnahmelager entstanden.

Die Verzweiflung ist groß. Am Dienstag hatte eine Frau um die 30 versucht, ihr Kopftuch anzuzünden, aber andere Migranten stoppten sie. Freiwillige der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen berichten, dass Kinder die Grenze in den vergangenen Tagen alleine überquert hätten und sie nicht wissen, wo diese sind. Der griechische Verband von Amnesty International spricht von einer "humanitären Krise" in Idomeni.

Das wilde Lager an der Grenze wächst von Tag zu Tag. Seit Dienstag haben die Zelte fast die ersten Häuser von Idomeni erreicht. "Sie werden sich in den nächsten Tagen bis zu den Bergen ausbreiten", sagt ein Landwirt, dessen Hof direkt an das Lager grenzt. Seine Ernte sei bereits vollkommen zerstört worden.

Mohamed Jabban, 28, war Barkeeper in der syrischen Hauptstadt Damaskus. Er sitzt seit acht Tagen in Idomeni fest. "Ich reise alleine und hoffe, Deutschland zu erreichen", sagt er. Allerdings kursiere die Information, dass man nicht nach Mazedonien einreisen dürfe, wenn man länger als 30 Tage in der Türkei war. "Ich weiß nicht, ob das stimmt oder nicht. Ich bin einfach besorgt", sagt Jabban.