A woman holds a placard reading 'There is No Planet B' at Piazza Campo di Fiori during a rally calling for action on climate change on November 29, 2015 in Rome a day before the launch of the COP21 conference in Paris. Some 150 leaders including US President Barack Obama, China's Xi Jinping, India's Narendra Modi and Russia's Vladimir Putin will attend the start of the UN conference Monday, tasked with reaching the first truly universal climate pact. The goal is to limit average global warming to two degrees Celsius (3.6 degrees Fahrenheit), perhaps less, over pre-Industrial Revolution levels by curbing fossil fuel emissions blamed for climate change. AFP PHOTO / TIZIANA FABI / AFP / TIZIANA FABI (Photo credit should read TIZIANA FABI/AFP/Getty Images) © Tiziana Fabi/AFP/Getty Images

Der Erfolg des Pariser Klimagipfels misst sich an einem halben Grad. Das war dort der entscheidende Durchbruch: Die verhandelnden Staaten einigten sich, die Erderwärmung nicht mehr auf zwei Grad Celsius, sondern auf 1,5 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Stand zu beschränken. Dieser Unterschied wird in den kommenden 100 Jahren über Leben oder Tod von Millionen Menschen entscheiden, vor allem in Entwicklungsländern.

Es ist ein ehrgeiziges Ziel. Laut Wissenschaftlern wird es – sofern erreicht – die Auswirkungen von Wetterextremen deutlich abmildern, Ökosystemen eine Chance geben, sich an die Erwärmung anzupassen, und den Anstieg des Meeresspiegels merklich verlangsamen.

Der Erfolg ruht auf vielen Schultern. Zahlreiche Organisationen und Staaten sowie einzelne Persönlichkeiten können für sich in Anspruch nehmen, in Paris einen Beitrag geleistet zu haben. Dass das 1,5-Grad-Ziel alle Verhandlungsrunden überstanden hat, war vor allem das Ergebnis des Einsatzes der vom Klimawandel am stärksten betroffenen Länder. Im Climate Vulnerable Forum, einem Zusammenschluss verletzlicher Staaten, wie Bangladesch, die Philippinen, Äthiopien, Costa Rica und kleine Inselstaaten wie Barbados oder St. Lucia, wurde es von über 40 Ländern zur roten Linie erklärt, die nicht überschritten werden darf.

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Wichtige Industrieländer schlossen sich dem Appell schnell an. Unter ihnen waren Deutschland und Frankreich. Sie halfen, eine Koalition der Ehrgeizigen aus Industrie- und Entwicklungsländern zu schmieden. Die USA, Japan, Brasilien, Kanada und Australien schlossen sich an. Gemeinsam trug die Koalition dazu bei, in den letzten, für die Verabschiedung des Paris-Abkommens entscheidenden Verhandlungsphasen die Nord-Süd-Spaltung zu überbrücken.

Jetzt kommt es darauf an, wie sie das Abkommen in praktische Politik verwandeln. Wenn keine angemessene politische Umsetzung der Pariser Beschlüsse gelingt, wird die Erderwärmung um drei Grad Celsius kaum aufzuhalten sein.

Eine Erwärmung dieser Größenordnung vervielfacht die Risiken, die schon heute Gesundheit, Entwicklung und Umwelt bedrohen. Nur wenn wir schneller vorgehen, die Wirtschaft tiefer greifend verändern, als es die nationalen Klimaschutzpläne bisher vorsehen, kann es gelingen, das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen.

Zunächst mag das abschreckend klingen. Aber ein entschiedener Klimaschutz bietet viele Chancen. Er reduziert nicht nur die Gefahr durch zunehmende Wetterextreme. Auch die Zahl der vorzeitigen Todesfälle durch Luftverschmutzung, die laut der WHO mit sieben Millionen Menschen pro Jahr die Zahl der Todesfälle durch Alkohol oder Rauchen übersteigt, wird durch ihn zurückgehen.

Europa spielt dabei eine entscheidende Rolle. In Paris hat die EU das 1,5-Grad-Ziel unterstützt und den Verhandlungen damit zum Erfolg verholfen. Jetzt muss sie daraus Konsequenzen für die eigene Energie- und Klimapolitik ziehen. Ihr bisheriges Klimaziel, bis zum Jahr 2030 die eigenen CO2-Emissionen um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken, reicht nicht aus, um die 1,5 Grad zu erreichen. Auch die bisher vorgesehene Unterstützung der Entwicklungsländer durch Geld und Aufbau von Wissen und technischen Möglichkeiten muss noch einmal überprüft werden.

Dies ist die Chance auf eine gute Zukunft

Wenn Europa vorangeht, werden andere folgen. Die 43 Mitgliedsstaaten des Climate Vulnerable Forum haben sich schon jetzt dazu verpflichtet, ihre nationalen Klimaschutzpläne ehrgeiziger zu gestalten.

Darüber hinaus verkündeten in Paris die Finanzminister von 20 verletzlichen Staaten das Ziel, bis 2020 zusätzlich 20 Milliarden Dollar für Klimaschutzmaßnahmen aus öffentlichen, privaten, internationalen, regionalen und inländischen Quellen zu mobilisieren. Das Geld soll auch für Klimaschutzmaßnahmen in Ländern ausgegeben werden, in denen es an Investitionskapital mangelt. Trotz aller Schwierigkeiten sind wir dazu bereit, im Sinne einer gemeinsamen Führungsrolle mit aller Kraft an weltweiten Klimaschutzmaßnahmen mitzuwirken.

Für das Klima wird entscheidend sein, dass es gelingt, die internationale Zusammenarbeit weiterzuführen. Für die besonders vom Klimawandel betroffenen Länder ist es zentral, durch große Volkswirtschaften wie die EU, die USA, China und Japan unterstützt zu werden. Kapazitätsaufbau, technische Unterstützung und angemessene Finanzierung können auch Länder mit wenigen Ressourcen in die Lage versetzen, ihre Klimaziele zu verwirklichen.

Der Erfolg der Klimakonferenz in Paris hat die weltweite Debatte um Klimaschutz verändert. Zum ersten Mal hat die internationale Gemeinschaft sich selbst ein klares Ziel gesetzt, das – wenn es erreicht wird – uns allen die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels ersparen wird. Wie schon in Paris brauchen wir Europa auch jetzt wieder an unserer Seite. Das ist unsere Chance, unseren Kindern eine gute Zukunft zu ermöglichen.