Trotz der guten Konjunktur driftet Deutschland bei Entwicklung und Wirtschaftskraft auseinander. Laut einer Studie der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) kommt das derzeitige Wachstum in vielen Gegenden Deutschlands nicht an; einzelne Regionen befinden sich "in einem Teufelskreis aus Verschuldung, Arbeitslosigkeit und Abwanderung", heißt es in der Studie. Die regionale Ungleichheit verfestige sich oder nehme sogar noch zu.

Wie die Ergebnisse zeigen, hinken nicht nur Gegenden im Osten den starken Regionen in Süddeutschland hinterher. Auch Kreise in West- und Norddeutschland haben mit einer hohen Arbeitslosenzahl, hoher Kinderarmut und mit steigenden kommunalen Schulden zu kämpfen. Die von der wirtschaftlichen Entwicklung abgehängten Regionen haben immer mehr Schwierigkeiten bei der Bereitstellung der öffentlichen Daseinsvorsorge.

Während die Gewinnerregionen wie Bayern, Baden-Württemberg und auch Hamburg immer besser dastünden, gerieten die Verliererregionen in eine zunehmende Abwärtsspirale. Wegen der ungleichen Wirtschaftslage wanderten vor allem besser ausgebildete, jüngere Menschen in die wirtschaftlich starken Regionen ab.

Das wirtschaftliche Wachstum der vergangenen Jahre habe in Deutschland die bestehenden Ungleichheiten vergrößert und die Gegensätze verschärft, heißt es in der Studie. Das vom Grundgesetz vorgegebene Ziel der Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse werde "in der Praxis verfehlt", so das Fazit ihrer Arbeit.

Die Studienautoren hatten anhand von 20 Indikatoren die soziale und ökonomische Lage der Bundesrepublik auf Kreisebene untersucht. Kriterien waren unter anderem Arbeitslosigkeit, Abwanderung, Kinderarmut, kommunale Schulden und das Bruttoinlandsprodukt. Die Studie basiert auf vor allem Daten des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR).